Chamber of Commerce of Bolzano
Milchwirtschaft

Wirtschaftsbarometer Landwirtschaftliche Genossenschaften

Positives Jahr 2025, Ungewissheit für 2026

Data: 
Thursday, 30 April 2026
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Die Südtiroler landwirtschaftlichen Genossenschaften bewerten die Ertragslage im Jahr 2025 sowie die Auszahlungspreise an die Landwirte grundsätzlich positiv. Die Aussichten für die kommenden Monate sind jedoch ungewisser. Die Sennereien blicken mit Sorge auf steigende Energiekosten und sinkende Milchpreise, während die Kellereien die negativen Auswirkungen der Energiekrise auf die Nachfrage der Touristen befürchten. Gleichzeitig bremsen die Zölle und die steigenden internationalen Seefrachtkosten den Export. Dies ergibt sich aus der jüngsten Erhebung des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

Die Rentabilität und die Auszahlungspreise im Jahr 2025 werden vor allem im Milchsektor positiv bewertet, wo die Umsatzentwicklung bis zum Herbst von den hohen Milchpreisen profitiert hat. Der seit dem letzten Quartal des vergangenen Jahres beobachtete Preisrückgang wird sich aber auf das Geschäftsvolumen 2026 negativ auswirken. Gleichzeitig wird der Anstieg der Energiepreise aufgrund der Nahostkrise die Produktionskosten in die Höhe treiben. All dies wird die Rentabilität der Sennereien sowie die Auszahlungspreise an die Bäuerinnen und Bauern belasten.

Auch der Obstsektor blickt auf ein positives Jahr 2025 zurück, geprägt von guten Auszahlungspreisen. In Europa belief sich die Apfelernte 2025 auf rund 11,3 Millionen Tonnen, mit einem Wachstum von etwa 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Südtirol hingegen fiel der Anstieg mit zwei Prozent geringer aus. Die erste Hälfte der Vermarktungssaison 2025/26 verlief erwartungsgemäß, wobei die aktuellen Lagerbestände ein hohes Absatztempo in den kommenden Wochen erfordern, um mit bewältigbaren Mengen in den Sommer gehen zu können. Die Verkaufspreise sind derzeit etwas niedriger als im vergangenen Jahr. Die Aussichten für die kommenden Monate zeigen aufgrund des Irankriegs herausfordernde Rahmenbedingungen, da der Konflikt die Kosten für Transport, Verpackung und Produktion in die Höhe treibt. Darüber hinaus könnte die steigende Inflation die Kaufkraft der Konsument/innen schwächen und damit auch den Apfelkonsum negativ beeinflussen.

Die meisten Weinkellereien zeigen sich mit der 2025 erzielten Rentabilität sowie mit den an die Winzer/innen ausbezahlten Preisen zufrieden. Die Umsatzdynamik wurde allerdings durch die schwache Nachfrage auf dem Südtiroler Markt gebremst, während die Verkäufe im übrigen Italien und im Ausland je nach Kellerei sehr unterschiedliche Entwicklungen verzeichneten. Für das laufende Jahr gibt es Befürchtungen, dass die Nachfrage seitens der Touristen und des HoReCa-Sektors (Hotels, Restaurants und Cafés) erneut zurückgehen könnte. Hinzu kommt die Ungewissheit hinsichtlich der Auswirkungen der Zölle auf die Exporte in die Vereinigten Staaten. Die meisten Kellereien sind jedoch zuversichtlich, dass sie dank der guten Qualität der letzten Ernte und der gestiegenen Verkaufspreise den Winzer/innen zufriedenstellende Auszahlungspreise gewährleisten können.

Ertragslage nach Branchen

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, betont: „In Zeiten großer Ungewissheit und hoher Preisvolatilität wird die zentrale Rolle der landwirtschaftlichen Genossenschaften bei der Produktvermarktung besonders deutlich. Dank ihrer Professionalität und ihrer stärkeren Marktposition gelingt es ihnen, die Südtiroler Qualitätsprodukte zu bestmöglichen Bedingungen abzusetzen.“

Nachfolgend die Stellungnahme des Vertreters des Wirtschaftsverbandes:

Daniel Gasser, Landesobmann Südtiroler Bauernbund
„Südtirols Landwirtschaft ist auch unter schwierigen Marktbedingungen gut aufgestellt. Eine gute Aus- und Weiterbildung unserer Bäuerinnen und Bauern, vielfach mehrere Standbeine, eine hohe Qualität der Produkte und professionelle Vermarktungsorganisationen sind die Stärken der heimischen Landwirtschaft. Ich hoffe, dass diese Phase der Unsicherheit schnell vorüber geht und bin mir sicher, dass wir diese gut meistern werden.“

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IER - Institute for Economic Research

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