Alto contrasto
Betriebsübergaben sind sensible Prozesse, gelegentlich kommen bei Generationenwechsel in Familienbetrieben, Fusionen, Inkorporationen, Hofübergaben und dergleichen Konflikte zwischen den Akteuren auf, welche bis zu deren Scheitern führen können.
Tatsächlich zeigen aktuelle Statistiken, dass z.B. bei Familienunternehmen nur 30% den Übergang von der ersten zur zweiten Generation überleben, 12% überleben die dritte Generation und 4% die vierte Generation.
Welche Schlussfolgerungen können wir ziehen? Konflikte sind allgemein ein Hinweis dafür, dass eine Veränderung im Gange ist, aber noch keine wirklich vollständige Regelung für den künftigen Zustand gesucht noch gefunden wurde, auch weil einem entscheidenden Bereich noch keine Beachtung geschenkt wurde: dem emotionalen Anteil.
Das Wort „Emotionen“ hat seine Wurzeln im Lateinischen „e-movere“ und bedeutet hervor-bringen. Emotionen bringen also hervor, was uns im Innersten bewegt, zeigen uns an, welche unserer Bedürfnisse gerade erfüllt oder eben unerfüllt sind; im Geschäftsleben haben wir uns aber angeeignet Emotionen zu unterdrücken, weil es sich nicht geziemt, Emotionen zu zeigen…
Bei Übergaben wird das Hauptaugenmerk schwerpunktmäßig i.d.R. nur auf die sichtbare, rationale Sachebene also auf die Aspekte betriebswirtschaftlicher, finanzieller, steuerlicher, und vertraglicher Natur gelegt, während der unsichtbare, aber gefühlte emotionale Anteil, bestehend aus der Beziehungsebene und der personenbezogenen Befindlichkeitsebene, im Übergabe-/Übernahmeprozess leider in der Regel unberücksichtigt bleibt.
Alle drei Ebenen sind untrennbar miteinander verwoben und verlangen nach Beachtung, Einbeziehung und Bearbeitung, wobei angemerkt sei, dass für das Gelingen des Prozesses die Sachebene geschätzt nur zu 20%, die Beziehungsebene samt Befindlichkeitsebene hingegen zu 80% beitragen.
Daraus wird ersichtlich, wie erfolgversprechend es ist, den beschriebenen emotionalen Anteil im Übergabe-/Übernahmeprozess bewusst miteinzubeziehen, präventiv latentes Konfliktpotential abzubauen und sich dafür mit Hilfe einer diesbezüglich ausgebildeten Fachperson professionell begleiten und unterstützen zu lassen.
Anerkannte Begleitmaßnahmen für den emotionalen Teil, die in der Betriebsnachfolge angewandt werden, sind:
Autor
Christoph Fuchsbrugger ist Betriebsjurist, Wirtschaftsmediator u. zert. Familienmediator (A.I.Me.F.), beim Justizministerium anerkannter Ausbilder für professionelle Mediatoren, Coach (ICF), Moderator, Mitglied von SOPHIA. Weitere Informationen finden Sie hier.
In den Prozess miteinbeziehen