Chamber of Commerce of Bolzano
Baustelle

Rubner Gruppe

Wie wird Holz zum nachhaltigen Baustoff?

Ist Bauen mit Holz nachhaltig? Aus dem Bauch heraus würde man wohl „ja“ sagen, allerdings zählt das Bauchgefühl in der Wirtschaft kaum. Wir haben uns daher von Thomas Moosbrugger, Head of Development & Research der Rubner Gruppe, erklären lassen, wie man die Ökobilanz des Ingenieurholzbaus verbessern kann – mit einem Blick auf den gesamten Lebenszyklus der Produkte.

Herr Moosbrugger, dem Bauwesen wird ein bedeutender Teil der globalen CO2-Emissionen angelastet, den Holzbau hat man da aber weniger im Visier. Warum beschäftigt sich die Rubner Gruppe trotzdem so intensiv mit Nachhaltigkeitsfragen? 
Thomas Moosbrugger: Klar ist, dass ein Holzgebäude nachhaltiger ist als eines aus Beton oder Stahl. Das liegt in erster Linie daran, dass Holz CO2 speichert, das bei der Ökobilanz in Abzug gebracht werden kann. Unser Ziel bei Rubner ist aber, unabhängig davon unsere CO2-Bilanz zu verbessern, also die CO2-Emissionen bei der Herstellung von Holzbauteilen und Holzbauwerken zu senken. 

Das Bauen mit Holz ist also nicht per se nachhaltig?
Wenn ich einen Baum fälle, ist die Nachhaltigkeit nur gesichert, wenn er wieder nachwächst. Das ist allerdings nur die Grundlage, denn danach wird das Holz ja transportiert, es wird bearbeitet und verbaut. Für all das braucht man Energie, setzt also CO2 frei. Wird ein Holzgebäude am Lebensende abgerissen und werden die Holzbauteile dem biologischen Kreislauf rückgeführt oder verbrannt, wird das darin gespeicherte CO2 wieder freigesetzt. Deshalb legen wir bei Rubner so viel Wert darauf, qualitativ hochwertige Gebäude mit langen Lebensdauern zu bauen und die Grundlagen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft des Wertstoffes Holz zu schaffen.

Der Blick geht also auf den gesamten Lebenszyklus des Baustoffs Holz und da spielt seine Wiederverwertung eine zentrale Rolle.
Genau. Bei Rubner haben wir schon vor sieben, acht Jahren erste Schritte gesetzt, um Produktionsprozesse zu entwickeln, die den Verbrauch der Ressource Holz reduzieren. Damals haben wir bei minderwertigen Holzqualitäten angesetzt, die im Rahmen der Sortierprozesse aus dem Kreislauf ausgeschieden wurden. Die eingesetzten Technologien zur Aufwertung unterscheiden sich dabei nicht wesentlich vom Aufbereitungsprozess ganzer Tragwerke …

… die Komplexität aber schon, oder?
Bis dato ist man im konstruktiven Ingenieurholzbau, also beim großvolumigen Bauen mit Holz kaum imstande zu recyceln. Die Gründe dafür sind vielschichtig. So ist etwa das heute zu recycelnde Holz vor 40 oder 50 Jahren verbaut worden, es wurden damals noch ganz andere Stoffe zur Behandlung des Holzes eingesetzt – auch solche, die heute verboten sind. Dazu kommen metallische Störstoffe im Holz oder die Frage, ob es im Laufe der Zeit vielleicht zur Holzalterung und damit verbunden zu einer Reduktion der Beanspruchbarkeit gekommen ist.

Auch die geltenden Normen machen das Recycling von großen Bauteilen aus Holz nicht einfach.
Die EU schreibt bereits einen Recyclinganteil bei Baustoffen vor und künftige europäische Vorgaben werden noch stärker auf die Nutzung von Sekundärrohstoffen abzielen. Zugleich schließen die Produktspezifikationen aber die Aufbereitung und den Einsatz von Altholz in neuen Produkten aus. 

Wie reagiert man bei Rubner auf dieses Dilemma?
Ich würde sagen: durch die Schaffung der Grundlagen und größtmögliche Transparenz. Was Letzteres betrifft, haben wir in den letzten zwei Jahren sehr viel investiert und 2025 als eines der ersten Unternehmen im konstruktiven Holzbau in Italien einen CSRD-konformen und geprüften Nachhaltigkeitsbericht mit unserer Bilanz veröffentlicht.

Und was die Grundlagen betrifft?
Da setzen wir stark auf die Lebenszyklusanalyse, ermitteln also im Detail, welche Auswirkungen der Einsatz des Baustoffs Holz hat. Das reicht von der Rohstoffgewinnung über den Stromverbrauch beim Betrieb der Produktionsanlagen bis hin zur Wiederverwertung. Dabei arbeiten wir eng mit dem Landesamt für Innovation und Forschung zusammen, während die Holzforschung Austria ein starker Partner bei der Produktbewertung ist. Und mit der Freien Universität Bozen sind wir der Frage nachgegangen, wie sich der Transport beim Recycling von Altholz auf dessen Ökobilanz auswirkt.

Was ist die Antwort auf diese Frage?
Zwischen dem abzubrechenden Gebäude, der Stätte zur Wiederaufbereitung und der Baustelle für das neue Gebäude sollten weniger als 1500 Kilometer liegen. Es wäre also ökologisch nicht zu verantworten, ein Holzgebäude in Australien abzubrechen, um die Bauteile in Südtirol zu recyceln und in Asien wiederzuverwenden.

Auf dem Papier sind die Grundlagen also geschaffen. Gibt es aber auch praktische Erfahrungen bei der Wiederverwendung von nutzbaren Holzbauteilen?
Rubner hat in Brixen eine alte Produktionshalle demontiert, neues Material aus den alten, nicht behandelten Bauteilen recycelt und daraus Bauteile für das neue Tragwerk hergestellt. Wir sind so bei einzelnen Bauteilen auf eine Recyclingquote von 40 Prozent gekommen, haben also gezeigt, dass unser wissenschaftliches Fundament auch den Praxistest übersteht.

Technisch ist der Beweis also erbracht, dass Recycling im Holzbau funktioniert. Wo liegen nun die Herausforderungen?
Es geht darum, das rechtliche Fundament zu schaffen, Teile aus wiederverwertetem Holz auf dem europäischen Markt in Verkehr bringen zu können. Zudem müssen wir die Kunden davon überzeugen, dass das neue Holz aus Recyclingmaterial frischem Holz nicht unterlegen ist. Dafür ist ein wissenschaftlich fundierter Nachweis wichtig. Am Ende des Tages wollen wir auf einen Träger aus Recyclingholz dasselbe Label anbringen dürfen wie auf einen Träger aus Frischholz.

Kurzbiografie

Thomas Moosbrugger

Thomas Moosbrugger stammt aus Vorarlberg – „einem Ursprung des Holzbaus“, wie er augenzwinkernd betont – und hat seine Ausbildung zum Bauingenieur an der TU Graz durchlaufen. Dort war er sieben Jahre lang Assistent am Institut für Holzbau und Holztechnologie. Seit 15 Jahren lebt Moosbrugger in St. Lorenzen, ist in der Rubner Gruppe zum Head of Development & Research aufgestiegen und hat auch an der Freien Universität Bozen einen Lehrauftrag.

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