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Die Marktglocke

Die Marktglocke

Ausklingen des Jahresmarktes

Wahrscheinlich ist nur wenigen bekannt, dass auf dem Dach des Merkantilgebäudes ein Turm mit einer Glocke emporragt. Der Turm ist nur von bestimmten Winkeln aus sichtbar, und zwar vom Obstplatz Richtung Lauben kommend rechts oder vom Rathausplatz aus auf der Höhe des Waaghauses links auf den Dächern.

Was hat denn eigentlich ein Turm auf einem ehemaligen Gerichtsgebäude zu suchen? Wozu diente überhaupt die Glocke?

Die Glocken, die scheinbar bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. im Orient gebaut wurden, hatten ursprünglich immer eine magische und religiöse Bedeutung: Das Glockenläuten war ein Zeichen von göttlichem Schutz und ein Hilferuf an die Götter, die bösen Kräfte abzuwenden und die guten herzuleiten.

In der westlichen Kultur spielte die Glocke im Christentum eine wesentliche Rolle: Heute noch ruft das Geläut der Kirche die Gläubigen auf, sich zu versammeln. Gleichzeitig hält es das Böse fern und ruft Gott um Schutz an.

Die Tradition, Symbole und Schriften auf die Kupferglocken zu gravieren, reicht auf das Mittelalter zurück. Damals wurden Glocken allmählich auch für weltliche Zwecke eingesetzt: Sie riefen zu Versammlungen und zur Schlacht auf, schlugen Alarm für Brände, Ausgangssperren und Pest. So wurden auch in Stadttürme Glocken eingebaut; sie meldeten die Öffnung und Schließung der Stadttore und den Beginn der Gemeinderatssitzungen.

Aber kehren wir nun zu unserer Marktglocke auf dem Merkantilgebäude zurück. Sie wurde 1690 von Thomas Zwelfer aus Bronze gegossen, wie viele andere Glocken in Südtirol, so zum Beispiel die Glocken der St. Justinakirche in Kaltern, der Martinskirche in Kampill (BZ) und der Pfarrkirche in Terlan. Die Marktglocke wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts während der Errichtung des Gebäudes (1708-1729) im Turm aufgehängt. Sie überlebte auch den Zweiten Weltkrieg, als viele Bronzestücke abgehängt und zu Waffen geschmolzen wurden.

Doch wozu diente die Marktglocke?

In einer Eintragung vom 24. Dezember 1720 im Rechnungsbuch des Andreasmarktes vermerkte der Aktuar des Merkantilmagistrats Francesco Seraffino Bruni, er habe nun den Brauch eingeführt, mit dem Glockengeläut das Ausklingen des Jahresmarktes anzukündigen.

Mit größter Wahrscheinlichkeit schlug die Glocke auch zu Beginn der vier Jahresmärkte (Mittfastenmarkt, Fronleichnamsmarkt, Bartholomäusmarkt und Andreasmarkt), um die Verhandlungen zu eröffnen. 14 Tage später verkündete die Glocke schließlich den letzten Termin, um nicht bezahlte Wechsel zu Protest gehen zu lassen. Außerdem ertönten die Glockenschläge jedes Mal, wenn sich der Merkantilrat versammelte.

Uns ist nicht bekannt, wann dieser Brauch schließlich eingestellt wurde. Das letzte Mal schlug die Marktglocke 2006, als sie nach ihrer Restaurierung im Hof des Merkantilgebäudes ausgestellt wurde und anlässlich der „Langen Nacht der Bozner Museen“ erklang. Anschließend wurde sie wieder in ihrem Turm aufgehängt, wo sie eines besonderen Anlasses harrt.

Merkmale der Marktglocke:

  • Material: Bronze (22 % Zinn, 78 % Kupfer)
  • Gewicht: 48 kg
  • Durchmesser: 43 cm
  • Tonart: A 2
  • Gravierung: Jesus Nazarenus Rex Judeorum 1690 Thomas Zwelfer in Bozen hat mich gegossen
  • Abbildungen und Verzierung: Kreuzigungsgruppe, Hl. Antonius mit Jesuskind und Lilie, Heilige (nur schwer erkennbar), links und rechts lanzettförmige Salbeiblätter
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