Handelskammer Bozen
Peter Josef und Manuel Oberhauser

Wiesemannhof

Tradition und Nachhaltigkeit

2019 wurde der Wiesemannhof in Antholz als traditionsreichstes Unternehmen von der Handelskammer Bozen mit dem Südtiroler Wirtschaftspreis ausgezeichnet. Wir haben mit den Landwirten Peter Josef und Manuel Oberhauser über Tradition, Nachhaltigkeit und die Freude am Beruf gesprochen.

Was können Sie uns aus der Geschichte des Wiesemannhofs erzählen?
Peter Josef Oberhauser: Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Wiesemannhof bereits im Jahr 1455, als Johann Wismann das Baurecht für den Hof erhielt. 1638, also vor mehr als 380 Jahren, ging der Wisemannhof durch Verkauf von Hans Wismann auf Valentin Pallhuber über. Ein weiterer Meilenstein war die Heirat meiner Eltern Maria Pallhuber (als Hoferbin) und Peter Oberhauser am 12. Februar 1942. Ich selbst übernahm schließlich 1978 den Hof und gab diesen im Jahr 2017 an meinen Sohn Manuel Oberhauser weiter.

Welche wirtschaftlichen Tätigkeiten werden am Wiesemannhof ausgeübt?
Manuel Oberhauser: Da wäre zum einen die Milchwirtschaft mit der Produktion von Bioheumilch, zum anderen die Holzwirtschaft mit ca. 70 Hektar Wald. Ein weiteres Standbein stellt der Urlaub auf dem Bauernhof mit unseren drei Ferienwohnungen dar. Darüber hinaus sind wir auch in der Direktvermarktung von Produkten wie Kartoffeln und Getreide tätig.

Sind Sie Vollerwerbs- oder Nebenerwerbsbauer? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Manuel Oberhauser: Ich bin im Vollerwerb tätig. Eigentlich wollte ich nicht in der Landwirtschaft Fuß fassen, weshalb ich nach der Matura am Realgymnasium Bauingenieurwesen in Graz studiert habe. Als mein Vater dann aufgrund von gesundheitlichen Problemen Unterstützung am Hof brauchte, bin ich nach Antholz zurückgekehrt. Hier habe ich die Möglichkeit mich selbst zu verwirklichen - ein wichtiger Schritt war dabei der Umstieg von der konventionellen auf Biolandwirtschaft im Jahre 2014. Verschiedene landwirtschaftliche Fortbildungskurse und vor allem das Wissen meines Vaters sind mir sehr hilfreich.

Landwirtschaftsbetrieb mit Tradition: der Wiesemannhof in Antholz.

Haben Sie eine Familie? Wer wohnt alles am Hof?
Manuel Oberhauser: Ja, ich habe eine Familie. Auf dem Hof wohnen meine Eltern, mein Onkel und meine Tante, mein Zwillingsbruder, meine Frau, meine zwei Kinder und ich.

Wie hat sich das Coronavirus auf Ihren Sektor ausgewirkt?
Manuel Oberhauser: Was die Sparte Urlaub auf dem Bauernhof betrifft, so hat sich Corona stark ausgewirkt, da nach der Biathlon-Weltmeisterschaft 2020 die touristische Tätigkeit arg eingeschränkt war. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass wir keine großen Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, da wir glücklicherweise breit aufgestellt sind. Zudem haben wir versucht, auf der Kostenseite anzusetzen und Spesen einzusparen, beispielsweise indem ich Arbeiten am Haus in Eigenregie durchgeführt habe.

Was sind Ihre Zukunftspläne?
Manuel Oberhauser: Ein ganz wichtiges Anliegen sind mir die Nachkommen, sodass der Hof auch in Zukunft weitergeführt wird. Selbstverständlich kann dabei aber niemand zur Hofübernahme gezwungen werden, das muss aus freiem Willen und aus Freude zur Landwirtschaft geschehen. Die Sanierung des alten Wohnhauses, das Mahlen des selbst angebauten Getreides in der hofeigenen Mühle sowie das Anlegen einer Teichlandschaft im Wald als ökologische Ausgleichsmaßnahme sind weitere Zukunftspläne, die ich gerne umsetzen würde.

Antholz ist eng mit dem Biathlonsport verbunden: Wird sich Olympia 2026 auch auf die wirtschaftliche Tätigkeit Ihres Hofs auswirken? Falls ja, wie?
Manuel Oberhauser: Ich gehe stark davon aus, dass es für unsere Tätigkeit keine Auswirkungen hat, da Urlaub auf dem Bauernhof für uns einen Nebenerwerb darstellt. Was ich aber hoffe ist, dass Antholz durch derartige Großveranstaltungen und deren Bewerbung nicht zu einem zweiten Prags wird, verbunden mit den negativen Auswirkungen für die einheimische Bevölkerung.

Info

Peter Josef Oberhauser: 1943 geboren, verheiratet mit Albina Messner, vier Kinder (zwei Zwillingsbrüder - darunter Manuel - und zwei Töchter). Mehr als fünf Jahrzehnte bei der Musikkapelle, knapp 30 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr, in der Freizeit tätig bei den Dorfchronisten und als Imker. In Vergangenheit zudem im Ausschuss des örtlichen E-Werks sowie im Bildungs- und Fraktionsausschuss.

Manuel Oberhauser: 1985 geboren, Frau Nadja (stammt aus Blumau, die beiden haben sich beim Studium in Graz kennengelernt), zwei Töchter (geboren 2019 und 2021). Mitglied der Musikkapelle (war in Vergangenheit auch deren Obmann) und im Ausschuss der Eigenverwaltung Antholz Niedertal. Manuel führt den Wiesemannhof in der 13. Generation.

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