Handelskammer Bozen
Der Vitalpin-Vorstand

Nachhaltigkeitsberichterstattung

Herausforderungen und Chancen
Datum:  März 2026

Die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa verändern sich rasant. Mit der Umsetzung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der EU-Taxonomie stehen Unternehmen und Banken vor neuen Herausforderungen – aber auch vor strategischen Chancen. Das wurde bei einem Vitalpin-Webinar deutlich, das die aktuelle Situation und die Auswirkungen auf Betriebe und Finanzinstitute beleuchtete.

Regulatorische Entwicklungen: Weniger Bürokratie, mehr Transparenz

Die politische Grundlage für die aktuellen Entwicklungen bildet die UN-Agenda 2030, das Pariser Klimaabkommen und der EU Green Deal, der das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 vorgibt. Mit der CSRD werden große Unternehmen verpflichtet, umfassende Nachhaltigkeitsinformationen nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit zu veröffentlichen. Die Omnibus-Verordnung reduziert dabei den bürokratischen Aufwand und vereinfacht die Umsetzung der CSRD.

Für Unternehmen der sogenannten „Welle 2 & 3“ gibt es einen Aufschub um zwei Jahre für die Berichterstattung sowie neue Schwellenwerte. Dadurch sinkt die Zahl der berichtspflichtigen Unternehmen in der EU von rund 50.000 auf etwa 11.000, was den administrativen Aufwand deutlich verringert. Berichtspflichtig sind Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden, über 50 Mio. Euro Umsatzerlösen oder mehr als 25 Mio. Euro Bilanzsumme.

Klimawandel als wirtschaftlicher Risikofaktor

Gerade im Alpenraum steigen die Durchschnittstemperaturen etwa doppelt so schnell wie im globalen Mittel. Die Folgen sind gravierend und beinhalten direkte Kosten durch Überschwemmungen, Sturmschäden oder Dürren, indirekte Kosten durch Lieferkettenunterbrechungen, Nachfragerückgang und Produktivitätsverluste sowie nichtmaterielle Schäden wie soziale Destabilisierung, Migration und Biodiversitätsverlust. Zwischen 1980 und 2020 beliefen sich die wirtschaftlichen Schäden durch Extremereignisse im europäischen Wirtschaftsraum auf rund 510 Mrd. Euro.

Warum Banken Nachhaltigkeitsdaten brauchen

„Klimarisiken sind Finanzrisiken“ – dieser Leitsatz prägt zunehmend Kreditentscheidungen. Banken bewerten Unternehmen nach ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimarisiken und der Fähigkeit, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Sie unterscheiden dabei zwischen physischen Risiken (z. B. klimabedingte Schäden), transitorischen Risiken (z. B. CO2-Bepreisung, fossile Abhängigkeit) und sozialen Risiken (z. B. Migration, Wertverlust von Immobilien).

Banken sind regulatorisch verpflichtet, Nachhaltigkeitsdaten zu erheben, um gesetzliche Anforderungen und Berichtspflichten zu erfüllen. Sie müssen nachweisen, wie nachhaltig ihre Finanzierungen sind. ESG-Daten (Environmental, Social, Governance) zeigen, wie widerstandsfähig und zukunftsfähig ein Betrieb ist und beeinflussen direkt Kredit- und Investitionsentscheidungen. Unternehmen stehen damit indirekt unter einem fortbestehenden Datenzwang.

Banken müssen Nachhaltigkeitsdaten erfassen

Strategische Vorteile durch ESG-Berichterstattung

Eine offene Kommunikation über Nachhaltigkeitsleistungen schafft Vertrauen – bei Kunden, Mitarbeitenden, Banken und Investoren. ESG-Berichterstattung ist somit kein Selbstzweck, sondern ein strategischer Vorteil und Ausdruck von Zukunftsfähigkeit. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sehen sich jedoch einer wachsenden Zahl unkoordinierter ESG-Datenanfragen gegenüber, was zu hohem administrativem Aufwand und zusätzlichen Kosten führt – vor allem, weil klare Orientierung und einheitliche Standards häufig fehlen.

Unterstützung und Standards für KMU

Auf EU-Ebene gibt es mit dem VSME einen freiwilligen, vereinfachten Berichtsstandard für KMU, der Vergleichbarkeit, Transparenz und Einheitlichkeit gewährleisten soll. Er unterstützt KMU dabei, Nachhaltigkeitsdaten strukturiert und praxistauglich zu erfassen und offen zu legen. Banken empfehlen diesen Standard ausdrücklich als sinnvolle Orientierung. In Italien hat das Finanzministerium zusätzlich einen Leitfaden entwickelt, der Banken dazu anhält, bei der Einholung von ESG-Daten das Proportionalitätsprinzip zu beachten.

ESG-Daten als Grundlage moderner Unternehmensführung

ESG-Daten sind Teil einer „doppelten Buchführung“, die finanzielle und nicht-finanzielle Kennzahlen integriert. Diese Verknüpfung ermöglicht Unternehmen, ihre ökonomische, ökologische und soziale Performance ganzheitlich zu bewerten. Durch die systematische Erfassung und Nutzung von ESG-Daten verbessern Unternehmen ihr Risikomanagement, ihre operative Effizienz und ihr Reputationsmanagement. Unternehmen, die ESG-Daten aktiv in ihre Steuerung integrieren, stärken ihren Marktzugang, fördern ihre Innovationskraft und sichern sich langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Praxisbeispiel: Thermische Sanierung

Die thermische Sanierung gilt als einer der wichtigsten Hebel für Energieeffizienz und Klimaschutz, da sie direkt an der Gebäudehülle und -technik ansetzt. Im Vergleich zu Neubauten verursacht sie bis zu zwei Drittel weniger graue Emissionen und hat damit eine doppelte Wirkung:

  • Ökologisch: Reduktion von Energieverbrauch und CO2- Emissionen.
  • Ökonomisch: Senkung der Betriebskosten und Steigerung der Rentabilität. 

Zertifizierungen wie KlimaHaus, DGNB oder Minergie erhöhen dabei die Glaubwürdigkeit und Förderfähigkeit. Erfolgsfaktoren sind eine gute Dokumentation, die Einbindung der Mitarbeitenden und ein professionelles Fördermanagement.

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