Handelskammer Bozen
Bernhard Mair

E-Werk-Toblach

Lokale Stromproduktion

Das E-Werk-Toblach hat als einer der ältesten Stromversorger im Land Südtiroler Energiegeschichte geschrieben. Der Präsident des 1899 gegründeten Elektrizitätswerks, Bernhard Mair, stand für ein Interview bereit.

Welche Vorteile bietet das E-Werk Toblach für die Dorfgemeinschaft in der Gemeinde?
Das Werk hat 106 Familien als Aktionäre. Das heißt, das E-Werk ist ein Teil des Dorfes und die Bürger/innen schätzen den direkten Kontakt, die kurzen Wege, die Transparenz und die bessere Versorgungssicherheit durch die eigene Produktion und Verteilung.

Kann das E-Werk Toblach im Strom-Wettbewerb bestehen?
Das ist sicherlich die Herausforderung für uns. Wie auf anderen Wirtschaftsgebieten glauben wir, dass auch auf diesem Gebiet die lokale Wertschöpfung eine Rolle spielen soll. Wir sehen heute, dass die Energie in Italien und auch in Südtirol leider sehr zentralistisch geregelt ist und die immer neuen bürokratischen Auflagen extrem belastend sind.

Sind Bürgernähe und Bodenständigkeit Faktoren, die bei der Wahl des Stromversorgers eine Rolle spielen?
Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses, die schnelle, möglichst unbürokratische Erledigung der Anliegen der Bürger/innen und der Unternehmen in unserem Einzugsgebiet spielt auf jeden Fall neben dem Preis eine entscheidende Rolle. Natürlich ist der jetzige extrem hohe Strompreis ein Problem für alle Unternehmen und Familien. Wir hoffen, dass sich der Strompreis, auf den wir praktisch keinen Einfluss haben, bald wieder auf ein akzeptables Niveau einpendelt bzw. dass die öffentlichen Körperschaften Korrekturen vornehmen. Hier würde eine Südtirol-Lösung oder lokale Lösung absolut Vorteile bringen. Dies müssen wir anstreben.

Mit einer Jahresproduktion von 10.000 MWh versorgt das Elektrizitätswerk Toblach mit seinem eigenen Netz etwa 3.600 Kunden.

Ist die dezentrale Nahversorgung mit „grüner“ Energie ein Modell für eine nachhaltige Klimapolitik?
Die dezentrale Nahversorgung wäre wünschenswert und sinnvoll. Leider sind wir von dieser noch recht weit entfernt. Es muss ein Gleichgewicht zwischen der umweltfreundlichen Energieerzeugung aus Wasserkraft und dem Gewässerschutz hergestellt werden. Leider verschanzen sich in Südtirol die Ämter hinter fixen Richtwerten und Limits, die nicht verändert werden dürfen. Wenn Südtirol seine Klimaziele erreichen will, braucht es klare Gesamtkonzepte, aber Spielräume im spezifischen Einzelfall.

Welche Perspektiven für die Zukunft gibt es in den Bereichen technische Innovationen und Entwicklung neuer Angebote für Ihren Betrieb?
Wir sind dabei, in den Gemeinden Innichen, Toblach und Niederdorf die Restnetze zu übernehmen. Im Bereich der Stromverteilung haben wir in den letzten Jahren die meisten unserer Leitungen unter die Erde gebracht, sodass wir eine gewisse Versorgungssicherheit in unserem Netz garantieren können. Zu diesem Zwecke streben wir auch eine engere Zusammenarbeit mit Edyna an.
Was die Produktion betrifft, sind wir mit unseren Anlagen imstande nur etwa die Hälfte des Energiebedarfes unseres Gebietes abzudecken. Deshalb versuchen wir, unsere Produktionsanlagen zu optimieren, um dadurch die größtmögliche Produktion zu erreichen. Auch schließen wir nicht aus, in die Produktion anderer erneuerbarer Energiequellen einzusteigen.

Info

Bernhard Mair, 69 Jahre alt, ist seit 2010 Präsident des E-Werks Toblach. Bis zu seiner Pensionierung vor drei Jahren war er hauptberuflich Lehrer in einer Wirtschaftsfachoberschule und nebenberuflich Kleinbauer eines Bio-Demeter-Hofes. Er war 40 Jahre lang in der Gemeindeverwaltung von Toblach tätig, davon zwischen 1990 und 2010 20 Jahre als Bürgermeister. Bernhard Mair ist verheiratet und hat vier Kinder, die zwischen 21 und 35 Jahre alt sind.

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