Handelskammer Bozen
Manfred Gius

Biogas Wipptal

Energiequelle mit Potential

Die Gründung der Biogas Wipptal GmbH im Jahr 2008 erfolgte, um einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Seither hat der technische Fortschritt viele Verwendungsmöglichkeiten für Biogas geschaffen. Wir haben darüber mit Geschäftsführer Manfred Gius gesprochen.

Die Biogas Wipptal GmbH wurde 2008 gegründet. Was ist seitdem erreicht worden?
Manfred Gius: Biogas Wipptal hat in den vergangenen Jahren sehr viel erreicht. Wenn man bedenkt, dass uns etwa 100 Milchbauern aus dem Bezirk Mist und Gülle bereitstellen, dann ist das eine tolle Leistung und ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz. 2021 konnten unsere Landwirte ca. 2.400 Tonnen CO2-Äquivalente einsparen.

Hat der technische Fortschritt die Verwendungsmöglichkeiten für Biogas verändert?
Die Technik hat sich insofern verändert, da „Upgrading“ Anlagen zur Erzeugung von Biomethan und Verflüssigungsanlagen zur Umwandlung von Biomethan in LNG effizienter geworden sind, besonders für Kleinanlagen. Mit dem Um- und Ausbau unserer Anlage stellen wir gerade auf die Produktion von Bio-LNG um. Erfahrungen haben gezeigt, dass bei Blockheizkraftwerken oft die Wärme nicht effizient genutzt werden kann und somit das Potential des Biogases nicht voll ausgeschöpft wird.

Wie und wo kann Biogas Wipptal neue Produkte vermarkten?
Bio-LNG ist ein sehr gefragter Treibstoff für den LKW-Schwer-lastverkehr, dabei lassen sich die CO2-Emissionen um bis zu 95 Prozent reduzieren. Öko-Trockeneis und biogene Kohlensäure aus CO2 sind immer mehr gefragt, insbesondere in der Lebensmittelindustrie. Unsere organischen Dünger sind ein idealer Ersatz für die chemisch erzeugten Dünger, die bei der Herstellung immens hohe CO2Ausstöße erzeugen. Zudem belebt unser Dünger das Bodenleben und fördert den Humusaufbau, der wiederum ein CO2-Speicher ist.

Die Anlage der Biogas Wipptal GmbH in Pfitsch.

Welches Potential hat Biogas heute? Ist Ihr Geschäftsmodell auch eine Option für andere Südtiroler Landesteile?
Wir hoffen sehr, dass wir ein Geschäftsmodell für andere Landesteile sein können. Hierfür sind wir auch immer bereit, andere zu unterstützen. Bei vielen Biogasanlagen laufen die Förderungen zur Stromerzeugung in den kommenden Jahren aus. Hier wäre auch die lokale Politik gefragt, die das Potential von Biogasanlagen für den Klimaschutz, als Energiehersteller und Düngererzeuger noch nicht erkannt hat. Das ist eine ideale Kreislaufwirtschaft, die demnach im Interesse des Landes sein muss.

Stichwort Klimaschutz: Welche Rolle kann Biogas in Südtirol spielen?
Biogas kann in Südtirol eine sehr wichtige Rolle spielen, das Potential ist da. Unsere Biogasanlage im Wipptal bezieht Mist und Gülle von Milchbauern, die für knapp 10 Prozent der Südtiroler Milchproduktion verantwortlich sind. Das heißt im Umkehrschluss, dass noch das neunfache Potential an Biogas vorhanden ist. Natürlich gibt es bereits einige Bestandsanlagen, die ein Teil davon nutzen. Aber zudem gibt es noch Potential bei Kläranlagen und Mülldeponien, wo Biogas zu Bio-Methan umgewandelt und in weiterer Folge ins Gasnetz transportiert werden kann.

Wird diese Zukunftsperspektive im Update des Klimaplans ausreichend berücksichtigt?
Leider wird im aktuellen Klimaplan das Biogas und dessen Potential so gut wie gar nicht berücksichtigt. Es gibt eine bestehende Infrastruktur an Biogasanlagen, die im Klimaplan keine Beachtung findet. Diese müssten aber politisch unterstützt werden, um die Weiterentwicklung zur Biomethanproduktion zu gewährleisten. Das Allerschlimmste wäre, wenn bestehende Anlagen zusperren müssten, denn dann würden wir uns genau in die falsche Richtung bewegen.

Info

Manfred Gius, Jahrgang 1981, ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit Juli 2021 ist er CEO der Biogas Wipptal GmbH. Vorher war er unter anderem in der Projektleitung im Pipeline- und Gasanlagenbau in verschiedenen Ländern tätig. Neben der Ausbildung zum Bauingenieur hat er auch einen MBA an der Technischen Hochschule Deggendorf in Deutschland absolviert.

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