Handelskammer Bozen
Bäuerliche Direktvermarktung

Bäuerliche Direktvermarktung

Analyse des WIFO
Datum:  März 2026

Die bäuerliche Direktvermarktung trägt zur Einkommenssicherung der Bauern und Bäuerinnen bei und sorgt für ein vielfältiges regionales Lebensmittelangebot. Fünf Jahre nach der ersten Erhebung präsentierte das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen im November 2025 eine aktualisierte Analyse zur Direktvermarktung in Südtirol. An der Online-Umfrage beteiligten sich 268 Direktvermarkter/innen.

Die bäuerliche Direktvermarktung hat sich in Südtirol als integraler Bestandteil der Landwirtschaft etabliert. Die aktuelle Erhebung zeigt, dass die Zahl der bäuerlichen Direktvermarkter in Südtirol zwischen 2019 und 2024 um 34 Prozent von 455 auf 610 gestiegen ist. Mehr als 70 Prozent der Direktvermarkter/innen liegen über 600 m Meereshöhe. Damit trägt die Direktvermarktung indirekt auch zur Stärkung der Berglandwirtschaft bei. 77 Prozent der Betriebe werden im Vollerwerb geführt, zugleich ist die Direktvermarktung aber auch für Nebenerwerbsbetriebe eine wichtige Einkommensquelle. Der Anteil an Biobetrieben ist im Vergleich zur gesamten Landwirtschaft überdurchschnittlich hoch und weiter auf 28 Prozent gestiegen.

Umsatzanstieg

Der Umsatz aus der Direktvermarktung erhöhte sich zwischen 2019 und 2024 von 44,7 Mio. Euro auf 61,1 Mio. Euro (+36,6 Prozent). Der durchschnittliche Erlös je Betrieb blieb mit rund 100.000 Euro stabil, wobei eine deutliche Streuung zwischen kleinen und großen Betrieben zu beobachten ist. 45 Prozent der Betriebe erzielen weniger als 50.000 Euro Umsatz, während 30 Prozent über 100.000 Euro erwirtschaften.

In Bezug auf die Produktgruppen zeigt sich eine starke Dynamik bei frischem Obst und Gemüse (+132 Prozent Betriebe) sowie bei Fleisch und Fleischprodukten (+64 Prozent Betriebe). Auch die Zahl der Anbieter von Wein und anderen alkoholischen Getränken ist gewachsen, während bei sonstigen tierischen Produkten ein Rückgang zu verzeichnen ist. Insgesamt entfallen drei Viertel des Gesamtumsatzes auf pflanzliche Produkte (davon fast 30 Mio. Euro auf Wein), ein Viertel auf Produkte aus der Tierhaltung.

Stube

Tourismus wichtig

Die Absatzkanäle haben sich weiter diversifiziert. Rund ein Drittel des Umsatzes stammt aus dem direkten Verkauf an Endkonsumenten (davon 15,3 Mio. Euro Ab-Hof; 3,8 Mio. Euro Bauernmärkte). Zwei Drittel entfallen auf den Verkauf an Unternehmen: Besonders stark zugenommen haben Umsätze über Zwischenhändler (+43 Prozent) und Gastronomie (+36 Prozent). Die Nachfrage wird von Touristen und Einheimischen gleichermaßen getragen, was die zentrale Bedeutung der Direktvermarktung für die lokale Wirtschaft und die regionale Versorgungssicherheit unterstreicht. Touristen spielen vor allem bei lagerfähigen Produkten wie Wein und Käse eine Rolle: Rund 40 Prozent der Ab-Hof und Bauernmarktverkäufe entfallen auf Gäste.

Herausforderungen

Die Herausforderungen sind weitgehend die gleichen geblieben: Die Hälfte der Betriebe stuft den Arbeitsaufwand und die gesetzlichen Vorschriften als sehr aufwändig ein, jeder dritte Betrieb dagegen die Vermarktung sowie die Investitionskosten. Trotz dieser Belastungen sehen die Betriebe positiv in die Zukunft. Mehr als die Hälfte der Direktvermarkter/innen plant, ihre Tätigkeit auszubauen – vor allem durch höhere Produktionsmengen, aber auch durch eine Erweiterung der Produktpalette. Besonders großes Potenzial wird für frisches Gemüse und Obst sowie Fleischprodukte und Wein gesehen. Um das ungenutzte Potenzial, insbesondere im Bereich des Tourismus, voll auszuschöpfen, sind eine verstärkte Kooperation mit der Gastronomie, gemeinsame Initiativen und eine bessere Zusammenarbeit aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette entscheidend. Einheitliche Qualitäts- und Markenstrategien sind zudem für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich.

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