Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Verena Eberhöfer

Ich habe einen Traumjob!

Verena Eberhöfer aus Alitz/Laas im Vinschgau ist Apfelbäuerin aus Leidenschaft. Die 30-jährige ist die älteste von drei Töchtern und bewirtschaftet den fünf Hektar großen Pöderhof ihrer Eltern seit fünf Jahren. Was das in einem von Männern geprägten Umfeld bedeutet, erzählt sie hier.

Sie haben den landwirtschaftlichen Betrieb mit 25 Jahren von Ihren Eltern übernommen. Wie kam es dazu?

Eigentlich wollte ich Friseurin werden. Allerdings hätte ich dazu die Lehre in Bozen absolvieren müssen, und das wollte ich nicht. Ich bin sehr heimatverbunden und da auch einige meiner Freunde die landwirtschaftliche Fachschule Fürstenburg in Burgeis besucht haben, entschied auch ich mich für die dreijährige Ausbildung zur Landwirtin im Bereich Obstwirtschaft und bin heute sehr glücklich darüber. Ich habe immer schon am Hof meiner Eltern mitgeholfen und nach dem erfolgreichen Abschluss habe ich im Betrieb als Leiterin mitgearbeitet, bis mir mein Vater den Hof schließlich übertragen hat.

Als Jungbäuerin in einem von Männern geprägten Umfeld waren Sie bestimmt so manchen skeptischen Reaktionen ausgesetzt. Welchen Herausforderungen mussten Sie sich stellen?

Klar, war es am Anfang so, dass meine männlichen Kollegen leicht skeptisch auf mich reagierten, zum Beispiel beim Erste-Hilfe-Kurs, bei dem ich als einzige Frau unter 30 Männern teilnahm, oder bei den Versammlungen der Obstgenossenschaft. Besonders aufgefallen sind mir diese Reaktionen im Verkaufsgespräch, wenn es um die Anschaffung einer neuen Maschine ging. Ich habe aber von Natur aus keine Berührungsängste und auch die Schule hat mich geprägt; von 85 Schülern, waren nur fünf davon Mädchen. Schnell begriff ich, dass ich meine Vorstellungen klar vorbringen muss, wenn ich respektiert werden will. Denn leider ist es in unserer Branche oft noch so, dass Männer meinen, der Frau fehle der Durchblick. Aber bei mir wissen sie mittlerweile schon, was Sache ist. Ich ziehe klare Grenzen und sage frei heraus, was ich mir erwarte.

Sie sind als Hofbesitzerin auch verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes, das heißt aber auch, Arbeit rund um die Uhr. Wie gestaltet sich Ihr Alltag?

Ich genieße die Freiheit, dass ich mir meine Arbeit selbst einteilen kann. Heute etwa steht Baumschneiden auf dem Programm, damit wird der Grundstein für den erfolgreichen Anbau des ganzen nächsten Jahres gelegt. Eine wichtige Tätigkeit, und ob ich diese am Vormittag oder am Nachmittag erledige, ist egal. Diese Freiheit gefällt mir an meinem Beruf. Dazu kommen dann noch Holzarbeit, Spritzen, Mulchen, Zupfen, Klauben, Maschinen bedienen. Hier ist teilweise auch körperlicher Einsatz gefragt, aber zum Glück bin ich mit viel Kraft gesegnet. Ansonsten kümmere ich mich auch um die buchhalterische Seite im Betrieb. Gerade finden bei uns Umbauarbeiten statt: Wir planen in absehbarer Zeit, Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten, und entsprechend kommen nun einige Ferienwohnungen dazu.

Sie sind neben Ihrer Arbeit als Jungbäuerin auch noch im Gemeinderat und in der Bäuerinnen-Organisation von Laas tätig, sowie ehrenamtlich beim Weißen Kreuz. Was bestärkt Sie in Ihrem Tun?

Ich kann behaupten: Ich habe einen Traumjob! Meine Eltern haben mir von Anfang an alle Freiheiten gewährt und mir sehr viel Vertrauen geschenkt. Bei unternehmerischen Entscheidungen berufe ich mich auf meine fachliche Ausbildung und bespreche mich auch mit meinen Berufskollegen. Grundsätzlich ist es aber wichtig, dass man an sich selbst glaubt, positiv eingestellt ist und sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt.

Was würden Sie Ihren Kolleginnen empfehlen, die sich selbständig machen möchten?

Ich habe gelernt, dass man den eigenen Betrieb immer für sich betrachten muss und ihn nicht mit anderen vergleichen kann, denn die Bedingungen sind immer verschieden. Experimente sind gut und recht, solange sie sich mit der Größe des Betriebes vertragen. Ich zum Beispiel bin durchaus offen dafür, neue Apfelsorten anzubauen. Zurzeit bauen wir auf 1.000 Metern Meereshöhe Golden Delicious und Stark an. Mal sehen, was in Zukunft noch möglich sein wird. Ein gutes Selbstbewusstsein und die volle Rückendeckung von Familie und Team helfen mir dabei.

Sie haben den Hof von Ihrem Vater übernommen. Wie gestaltete sich die Hofübergabe?

Die Hofübergabe verlief vorbildlich. Mein Vater hat schon früh daran gedacht und mich darauf vorbereitet. Er hilft immer noch am Hof mit, lässt mir aber bei sämtlichen Entscheidungen freie Hand. Das ist die Voraussetzung, damit man als Nachfolger mit Leidenschaft bei der Sache ist und motiviert bleibt. Genauso werde ich es auch mal machen, wenn ich eine eigene Familie habe.

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