Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Rachele Scalise

Die Spätberufene

Individuell, persönlich, einzigartig. Bei Rachele Scalise kommt nichts von der Stange. Jedes Kleidungsstück entwirft und schneidert sie selbst. Seit fünf Jahren nicht nur für sich, sondern auch für andere Frauen. Ein Porträt über ihren langen Weg zum eigenen Atelier. 

Flotter Kurzhaarschnitt, rote Schuhe, lässige weiße Bluse. So empfängt uns Rachele Scalise in ihrer Manufaktur in Bozen. Hier hat sie sich ihren Traum erfüllt. Ein Modeatelier der besonderen Art. Für Frauen mit Gespür für das Einzigartige. Ob Röcke, Kleider, Brautroben, Hosen oder T-Shirts, jedes Kleidungsstück ist ein Unikat. Ein Einzelstück, angefertigt nach den Bedürfnissen ihrer Kundinnen. „Für mich selbst entwerfe ich Kleider im extravaganten Ethno-Chic, für meine Kund/innen designe ich Kleidungsstücke, die zu ihrer Person, zu ihrem Körper passen“, erzählt die 57-Jährige, die in Kalabrien aufgewachsen und vor 40 Jahren der Liebe wegen nach Bozen gezogen ist.

Rachele Scalise ist eine Spätberufene. Erst vor fünf Jahren hat sie die Mode zu ihrem Beruf gemacht. „Nach 20 Jahren beim Unternehmen Thun wurde ich krisenbedingt gekündigt. Ich war im Bereich Bijoux tätig und hatte einen echt erfüllenden Job, für den ich weltweit unterwegs sein durfte. Als dann die Krise kam, wurde der Bereich zunehmend ausgelagert und meine Stelle gestrichen“, erzählte Scalise. Sie spricht von einer schweren Zeit, von einem harten Schlag. „Plötzlich stand ich da, ganz ohne Job und ohne Perspektive, wie es weitergehen soll“, berichtete sie beim 6. Wirtschaftstag für Berufsschüler/innen in der Handelskammer Bozen. Am Ende sollte der berufliche Schicksalsschlag eine große Chance sein. Ein Ansporn, um ihren lang gehegten Traum zu verwirklichen - den Traum ihres eigenen Ateliers. 

Eine Passion für die Mode hatte Rachele Scalise schon immer. Als Kind nähte sie Kleider für ihre Puppen, später für sich selbst. „Ich hatte immer schon meinen ganz eigenen Modestil und wurde in Modehäusern nie fündig“, erzählt sie. Übung macht den Meister – nach diesem Motto hat die Süditalienerin das Schneiderhandwerk erlernt. Ganz ohne feste Ausbildung, dafür mit vielen Kursen und noch mehr praktischer Übung. 

Eingemietet hat sie sich in einem kleinen Geschäft in der Mailänderstraße. 20.000 Euro hat sie investiert, vor allem in Stoffe, Maschinen und Schneiderutensilien. Der Start ihres „Ateliers Portico 107“ erwies sich als schwierig. „Obwohl ich das große Glück hatte, vom Atelier nicht leben zu müssen, waren die ersten zwei Jahre eine wahre Herausforderung. Ich hatte kein fixes Einkommen, dafür hohe Spesen, unsichere Einnahmen und war so gut wie gar nicht bekannt“, erzählt Rachele Scalise. Dazu kamen die Wirren der Bürokratie und die Bedenken ihres Mannes. „Mein Mann führt seit vielen Jahren ein Schuhgeschäft. Er wusste also, was auf mich zukommt. Ich wollte es aber wissen und konnte am Ende auf seine Unterstützung zählen“, erzählt die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. 

Fünf Jahre später zeigt sie sich zufrieden und glücklich. Sie erntet die Früchte der intensiven Aufbauarbeit. Dank erfolgreicher Mundwerbung konnte sich Rachele Scalise einen guten Kundenstock aufbauen. Es sind Frauen, die das Besondere suchen. Einzelstücke, die man nirgendwo kaufen kann. „Viele meiner Kundinnen suchen nach individuellen Stücken, die in keiner Modekette zu finden sind“, berichtet Scalise. Die Hälfte ihrer Kundinnen sind Bräute. Zwei Monate im Durchschnitt arbeitet sie an einem Brautkleid. Für das perfekte Kleid nach Maß, individuell designt und genäht für den schönsten Tag des Lebens. 

Obwohl die Freizeit weniger, die Verantwortung größer geworden ist – den Schritt in die Selbstständigkeit hat Rachele Scalise nie bereut. „Schade nur, dass ich erst so spät den Mut gefasst habe. Ansonsten hätte ich heute wohl meine eigene Modelinie“, so Scalise. Zukunftspläne hat sie dennoch. Sie möchte ihr Atelier Richtung Zentrum verlegen. Um noch mehr Frauen für Mode auf Maß zu begeistern.

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