Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Petra Holzer

Die Frau in der KFZ-Welt

Aufstehen, die Stimme erheben, für etwas kämpfen. Petra Holzer ist es gewohnt, sich zu engagieren. Ob im LVH, beim Katholischen Familienverband oder für den Erhalt des Krankenhauses Sterzing. Dabei ist sie eigentlich Unternehmerin. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie Wipptals größte Autowerkstatt, die Garage Europa Holzer am Ortseingang von Wiesen/Pfitsch. Ein Gespräch über den Kampf nach Akzeptanz in einer Männerdomäne.

Frau Holzer, Sie arbeiten in einer typischen Männerbranche. Wurden Sie von Beginn an akzeptiert?

Nein, überhaupt nicht. Zu Beginn war das eine echte Herausforderung. Als ich 1990 einstieg, war ich erst 21 Jahre. Vor allem Frauen standen mir sehr kritisch gegenüber.

Haben Sie unter dieser mangelnden Akzeptanz gelitten?

Sagen wir so, ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Aber es war schon hart. Ich erinnere mich noch gut daran, wie Kunden bei meinem Mann nachgefragt haben, ob ich ihnen auch wirklich das richtige Motoröl verkaufe. Interessanterweise waren Frauen besonders kritisch, sie wollten nur mit meinem Mann sprechen. Am Ende hat es sechs Jahre gedauert, bis sich die Zweifel legten.

Hat Sie die Branche von Beginn an interessiert?

Selbst Reifen zu wechseln, hätte mich nie interessiert. Im technischen Bereich ist mein Mann der Experte. Wir haben eine klare Aufgabenteilung. Ich kümmere mich um die Verwaltung, also um die Buchhaltung, das Personal, die Arbeitssicherheit und die Annahme der Fahrzeuge.

Reparieren Sie nur oder verkaufen Sie auch Autos?

Wir sind seit 55 Jahren eine autorisierte Vertragswerkstätte von Opel. Wir reparieren aber auch andere Marken, besonders Fahrzeuge der Marke VW, da es im Wipptal keine Vertragswerkstatt mehr gibt. Autos verkauft haben wir auch, allerdings immer nebenher. Da der Markt immer schwieriger wurde und uns schlicht die Zeit dafür fehlte, haben wir den Autoverkauf vor zehn Jahren abgegeben. Genauso den ACI-Abschleppdienst. Es war eine spannende aber auch sehr zeitintensive Arbeit, wir waren zehn Jahre lang Tag und Nacht im Einsatz.

Stattdessen haben Sie sich spezialisiert.

Ja genau, wir bieten alles rund ums Auto an. Als eine der wenigen Werkstätten sind wir sowohl auf Karosserie als auch auf Mechanik spezialisiert. Dazu kommt der Reifendienst, eine Waschanlage und seit 15 Jahren unser Autoverleih. Das heißt wir verleihen Fahrzeuge, vom Neunsitzer bis zum Kleinfahrzeug. Und im kommenden Jahr wollen wir einen neuen Autosalon errichten, wo wir die neuesten Modelle präsentieren.

Dabei hat alles ganz klein begonnen…

Mein Schwiegervater hat die Werkstätte vor 59 Jahren gegründet, mit einem Standort in Sterzing und einem in Gossensaß. 1989 haben wir die beiden Bereiche Mechanik und Karosserie zusammengelegt und hier in Wiesen die neue Werkstatt errichtet. Gestartet sind wir mit sechs Mitarbeitern, heute beschäftigen wir 18 Mitarbeiter/innen.

Wie erklären Sie sich das Wachstum?

Sicherlich damit, dass wir seit gut 55 Jahren eine Opel-Vertragswerkstatt sind und wir waren südtirolweit eine der ersten vier Werkstätten, die Fahrzeugkontrollen, sprich Collaudi, durchführten. Dazu kommt, dass mein Mann immer kräftig investiert hat. Er wollte technisch immer auf dem aktuellsten Stand sein. Bezahlt macht sich sicher auch, dass wir sehr viele Stammkund/innen haben.

Wie hat sich die Branche die letzten Jahre verändert?

Die Branche hat sich extrem verändert. Früher war es normal ein Auto zwei Mal im Jahr zum Ölwechsel in die Werkstatt zu bringen. Heute kommen Neuwagen die ersten beiden Jahre kaum noch oder nur noch zum Reifenwechsel in die Werkstatt. Um Kunden zu binden, braucht es Ideen und neue Investitionen. Wir bieten etwa einen Sommer- und Wintercheck an, reparieren Steinschläge bei Windschutzscheiben und rechnen mit den Versicherungen direkt ab. Seit kurzem bieten wir auch eine effiziente Grundreinigung der Autos und eine Korrosionsvorsorge an, da neue Autos sehr schlecht versiegelt sind.

Wie ist es um den Nachwuchs in Ihrer Branche bestellt?

Leider sehr schlecht. In unserer Branche fehlen gute Fachkräfte. Das liegt auch daran, dass Jugendliche nicht besonders an einer Lehre interessiert sind. Die meisten von ihnen möchten eine Oberschule besuchen. Entsprechend schwierig ist es gute Leute zu finden und ich hoffe, dass sich Firmen nicht irgendwann Mitarbeiter/innen gegenseitig abwerben müssen.

Viele Betriebe weigern sich, Lehrlinge auszubilden. Können Sie das nachvollziehen?

Absolut. Wir bilden zwar immer wieder einen Lehrling aus, stoßen aber an unsere Grenzen. Denn der Bürokratieaufwand, von der Sondergenehmigung bis hin zur Risikobewertung für Minderjährige, ist enorm. Dazu kommt, dass ein Lehrling aufgrund der Jugendschutzgesetze viele Arbeiten nicht verrichten darf. Sie müssen sich vorstellen, ein angehender Mechaniker dürfte laut Gesetz nicht mit Öl in Verbindung kommen oder am laufenden Motor arbeiten. Dies konnte aber über den LVH geklärt werden. Es zahlt sich einfach aus Lehrlinge auszubilden. Die meisten unserer Mitarbeiter/innen arbeiten seit ihrer Lehre bei uns, viele von ihnen seit 30 Jahren.

Sie haben zwei erwachsene Töchter, wie haben Sie Beruf und Familie unter einen Hut bekommen?

Indem beide an einem Sonntag auf die Welt gekommen sind. (lacht) Ich habe tatsächlich bis Freitag gearbeitet und war wenige Tage nach der Geburt wieder im Büro. Ohne unsere Omas wäre das natürlich nicht möglich gewesen. Vor zwanzig Jahren gab es ja auch noch keinen Kinderhort und keine Kitas.

Das heißt, Sie haben immer Vollzeit gearbeitet?

Nein, zu Beginn habe ich in Teilzeit gearbeitet. Aber unsere beiden Töchter sind ja mittlerweile erwachsen. Unsere ältere Tochter macht gerade den Facharzt, während unsere jüngere Tochter Wirtschaft studiert. Entsprechend kann ich mich auch reinhängen. Mein Mann und ich sind von Montag bis Freitag von 7 Uhr morgens bis rund 19 Uhr in der Werkstätte. Mein Mann arbeitet auch Samstags, dann kümmere ich mich um den Haushalt.

Wie bekommen Sie bei diesem Arbeitspensum auch noch ihr politisches Engagement unter?

Ich bin nicht der Typ, der zu Hause sitzt und nichts tut. Ich arbeite gerne und wirke gerne in der Gesellschaft mit. Als die Kinder klein waren im Elternrat, dann beim Katholischen Familienverband und seit gut 25 Jahren im LVH. Ich habe hier auf Bezirksebene die Frauen im LVH aufgebaut, seit neun Jahren bin ich Bezirksobfrau der Frauen im LVH und seit April dieses Jahres LVH-Bezirksobfrau. Ich mag das Verbandsleben.

Und Sie engagieren sich für den Erhalt des Krankenhauses Sterzing?

Ja, das ist eine Herzensangelegenheit. Ich bin Teil der Initiativgruppe Pro Krankenhaus. Wir haben die vergangenen beiden Jahre richtig gekämpft, leider geht im Moment nichts voran und das bedauere ich sehr, denn wir brauchen das Krankenhaus Sterzing. Schade, dass nicht mehr Leute den Mut aufbringen, ihre Stimme zu erheben.

Zur Person

Petra Holzer ist in Meran geboren, im Alter von zehn Jahren entschlossen ihre Eltern nach Gossensaß zu ziehen. Nach der Handelsschule in Sterzing, arbeitete sie bei einer Baufirma und später bei einem Notar in Brixen. 1989 stieg sie in die Autowerkstätte ihres Mannes ein. Die Garage Europa mit Sitz in Wiesen ist seit 50 Jahren Opel-Vertragswerkstatt und die größte Werkstatt im Wipptal. Gemeinsam mit ihrem Mann hat Petra Holzer zwei erwachsene Töchter. Seit April ist sie LVH-Bezirksobfrau im Wipptal.

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