Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Monika Brigl

Selbst ist die Frau

Nach 16 Jahren im Kammerausschuss zieht sich die Eppaner Bäuerin Monika Brigl von ihrem Engagement im Kammerausschuss der Handelskammer Bozen zurück. Eine Bilanz über Erreichtes und Errungenes als eine der ersten Frauen in diesem Gremium.

Warum haben Sie sich im Mai dieses Jahres nicht mehr zur Verfügung gestellt?
Monika Brigl: Nach drei Amtsperioden wollte ich Junge ans Ruder lassen. Für mich waren es sehr lehrreiche Jahre. Es war schön zu sehen, was erreicht werden kann, wenn die verschiedenen Wirtschaftsbereiche an einem Strang ziehen, wobei wir natürlich nicht immer einer Meinung waren. Etwa als es um das Referendum zum Ausbau des Bozner Flughafens ging.

Da Sie eine erklärte Flughafengegnerin sind?
Ja, genau. Mein Hof befindet sich direkt oberhalb des Flughafens und ich habe mich immer gegen einen Ausbau ausgesprochen. Das erschien mir auch als Ortsbäuerin als meine Pflicht. Ich war deshalb aber mit niemandem auf Kriegsfuß.

Sie waren nicht nur eine der ersten Frauen im Kammerausschuss, sondern waren auch in der Gemeindepolitik sehr engagiert. Was hat Sie dazu motiviert?
Ich war 20 Jahre lang Ortsbäuerin und zehn Jahre lang Gemeinderätin in Eppan. 1995 habe ich bei den Gemeinderatswahlen sogar am drittmeisten Stimmen erhalten. Eigentlich hätte es ein Assessorat werden sollen, allerdings war die Zeit noch nicht reif für eine Assessorin.

Hat Sie diese Entscheidung gekränkt?
Eigentlich nicht. Ich war nie eine ausgewiesene Feministin, sondern vielmehr eine Realistin. Die Politik ist ja vor allem männlich besetzt, entsprechend sollte man mit den Männern gut auskommen. Mein Steckenpferd war immer die Landwirtschaft, dort wollte ich etwas voranbringen.

Woher kommt Ihre Passion für die Landwirtschaft?
Ich bin auf einem Weingut aufgewachsen und bereits zu Oberschulzeiten, als ich das Wissenschaftliche Lyzeum in Bozen besucht habe, war ich jede freie Minute auf dem Feld. Mein Vater hat meine Passion erkannt. Anfang der 80er Jahre hat er mich gefragt, ob ich den Rielerhof, ein kleines Höfl oberhalb von Bozen, übernehmen möchte. So kam es, dass ich mit gerade mal 23 Jahren diesen Hof allein bewirtschaftete und aufbaute. 2013 kam dann noch der Haselhof in Girlan dazu.

Hat es Sie nie gereizt das elterliche Weingut, also die international erfolgreiche Kellerei Brigl in Eppan, zu übernehmen?
Ich war zwar die älteste von uns vier Geschwistern, aber es war sehr schnell klar, dass mein Bruder Josef den Familienbetrieb übernehmen wird. Er führt die Kellerei mittlerweile in der 32. Generation. Zudem wollte ich mein eigenes Ding durchziehen und die Güter selbst bearbeiten.

Sehen Sie sich eher als Obst- oder Weinbäuerin?
Beides hat seinen Reiz. Aber im Weinbau bekommt man sicher die größere Anerkennung. Ich liefere die Trauben ja an meinen Bruder und sein Vernatsch unserer Vigna Haselhof wurde dieses Jahr beim Vernatsch Cup als „Vernatsch des Jahres“ ausgezeichnet. Solche Auszeichnungen spornen natürlich an.

Wie stehen Sie zum Thema Bio-Landwirtschaft?
Noch fehlt mir die Überzeugung auf Bio umzustellen. Meinen 19-jährigen Sohn dagegen, der die Landwirtschaftliche Oberschule in Auer abgeschlossen hat, würde eine Umstellung schon reizen.

Noch bewirtschaften Sie Ihre beiden Höfe alleine. Dazu kommt Ihr Engagement in der Höfekommission und beim Bäuerlichen Notstandsfonds. Wie schaffen Sie das alles?
Ich brauche keinen Urlaub und auch kein langes Wochenende. Mein Ausgleich ist die Verbandsarbeit. Wobei ich zugeben muss: Ich bin keine 30 mehr. Mein Sohn ist bereits in den Betrieb eingestiegen und vielleicht gelingt es mir ja auch auf dem Hof in Zukunft etwas kürzer zu treten.

Zur Person

Monika Brigl, (60) ist seit Anfang der 80er Jahre die Bäuerin vom Rielerhof, oberhalb von Bozen. Seit 2013 bewirtschaftet sie auch den Haselhof in Girlan. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern hat 16 Jahre lang mit viel Herzblut die Landwirtschaft im Kammerausschuss der Handelskammer Bozen vertreten.

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