Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft
Francesca Peruz

Francesca Peruz

Folge deinem Herzen

CLAB ist eine Sozialgenossenschaft in Bozen, die durch ein menschengerechtes Ambiente und durch Qualitätsarbeit die Integration von sozial schwächeren und benachteiligten Menschen fördert. Sie bereitet Menschen mit Behinderung auf die Wiedereingliederung in die Arbeitswelt vor. Geleitet wird die Genossenschaft samt Werkstätten von Francesca Peruz, die bei ihrer Arbeit gekonnt die Bereiche Kreativität und Pädagogik zusammenführt.

Nach der Matura am Realgymnasium in Bozen beginnt Francesca Peruz Mitte der Achtziger Jahre ihr Designstudium in Mailand, das ihren Horizont sehr erweitert und ihr ermöglicht hat, in einem internationalen Umfeld zu leben und Menschen aus aller Welt kennenzulernen. Sie startet ihre berufliche Laufbahn zunächst im Bereich des Designs und fügt diesem später Tätigkeiten in der Grafik hinzu. Aber das reicht ihr nicht: Sie nähert sich auch dem pädagogischen Bereich mit einem besonderen Augenmerk auf Kultur und Kunst. 1998 kommt sie zur Sozialgenossenschaft Clab aus Bozen, in der sie seit über 10 Jahren aktiv ist. Heute steht sie der Genossenschaft als Direktorin vor und bald endet schon ihr zweites Mandat als Präsidentin.

Nach der Mutterschaft haben Sie den Wunsch verspürt, sich auch beruflich wieder einzubringen. Wie ist es dann weitergegangen?
Ich brachte viel Erfahrung im Bereich Design und Grafik, aber auch im pädagogischen Bereich und in der Organisation von Kursen und Events mit. Mir fiel dann ein Buch einer Dichterin in die Hände, die mir besonders am Herzen liegt. Es war vom Verlag Clab veröffentlicht worden. Das war genau der richtige Arbeitsplatz für mich, also habe ich meinen Lebenslauf eingeschickt. Ich hätte sicher auch andere leichtere und wahrscheinlich lukrativere Lösungen wählen können. Doch zwischen mir und Clab hat es einfach auf Anhieb gefunkt.

Wie war Ihre Begegnung mit Menschen mit Beeinträchtigungen?
Die Welt der Sozialgenossenschaften und auch die Zusammenarbeit mit behinderten Menschen war eine total neue Erfahrung für mich. Anfangs war ich immer unsicher, wie ich mich den anderen gegenüber verhalten sollte. Doch im Grunde ist die Antwort sehr einfach: Sie waren und sind meine Kollegen.

Wie hoch ist der weibliche Anteil im sozialen Genossenschaftswesen? 
Frauen waren in diesem Bereich schon immer sehr stark vertreten. Seit einigen Jahren bekleiden sie auch führende Rollen, was vorher nicht so war, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Ich war wohl eine Vorreiterin.

Haben Sie jemals diskriminierende Situationen miterlebt?
Ich würde nicht so sehr von Diskriminierung, sondern vielmehr von Unterschied sprechen. Bis vor wenigen Jahren wurde die männliche Figur in leitenden Positionen leichter akzeptiert, auch von anderen Frauen. Ich wusste, dass ich höchstens die Zweitbeste sein würde.

Und wie haben Sie dann den Spieß umgedreht?
Ich habe einen Kurs besucht, der mir die Augen geöffnet hat. Die Weiterbildung und die persönliche Weiterentwicklung haben schon immer mein Leben geprägt. Wichtiger ist es jedoch, den Moment zu erkennen, in dem man entschleunigen, sich von der alltäglichen Hetze trennen und über sich selbst nachdenken muss. Das hilft zu verstehen, ob es einem wirklich gut geht oder ob man etwas anderes tun könnte.

Genügt ein Studium dafür? 
Es hilft, ist allein aber nicht ausreichend. Es braucht auch Leidenschaft. Es ist wichtig, seinen Beruf zu lieben. Das ist mein Tipp an alle: Hört nie auf, euch für die Arbeit zu engagieren, die euch wirklich gefällt. Und bereitet euch auch auf den Umgang mit den wahrscheinlich eintretenden Enttäuschungen vor. Je mehr Leidenschaft ihr in eure Tätigkeit steckt, desto höher ist auch die Gefahr, Enttäuschungen einstecken zu müssen.

Bemerken Sie auf beruflicher Ebene Unterschiede zwischen Mann und Frau? 
Frauen zeichnen sich vor allem durch die Fähigkeit der Vereinbarkeit aus. Sie sind es mehr als die Männer gewohnt, viele Aspekte gleichzeitig managen zu müssen und suchen immer nach der bestmöglichen Lösung, um alles zu vereinbaren.

Wahrscheinlich sind in einer Sozialgenossenschaft mehr Aspekte als anderswo zu vereinbaren? 
Ja, unsere Einrichtung ist klein, aber komplex. Man bedenke nur den menschlichen Aspekt. Jede Person hat ihre eigene Geschichte und Fähigkeiten, die mit einem spezifischen Projekt zur Geltung gebracht werden. Jeder Mensch hat etwas Besonderes - wir müssen es nur entdecken.

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