Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Carmen Zwick

Ich mag meinen Beruf

Wirtschaftsfächer waren nie ihre Stärke. Zumindest nicht in der Handelsoberschule. Knapp positiv, mehr ging sich nicht aus. Ihr Maturaziel von 40 Punkten erreichte sie dennoch. Für sie der Anstoß in Bologna Wirtschaft zu studieren. Heute zählt Carmen Zwick zu den aufstrebenden Wirtschaftsprüferinnen des Landes. Wie sich die Malserin mit dem Thema Wirtschaft anfreundete und warum sie lange Zeit mit sich selbst in Konflikt war.

Wie wäre Ihr Leben wohl verlaufen, hätten Sie damals bei der Matura nicht 40 Punkte erreicht?

Wirtschaftsberaterin wäre ich wohl nicht geworden. Wissen Sie, ich war nie eine Musterschülerin. Aber ich war strebsam und vor allem Realistin. Ich wusste, nur mit mindestens 40 Punkten, kann ich mich auf ein Studium einlassen. Am Ende hat es geklappt und ich habe mich kurzerhand für Wirtschaft in Bologna entschieden. Ich wollte in einer Stadt studieren, die nicht voll mit Südtiroler Studenten war. Innsbruck wäre für mich nie in Frage gekommen, auch da ich nicht jedes Wochenende nach Hause wollte.

Ihr Vater ist ein angesehener Wirtschaftsberater im Vinschgau, der sich im Laufe der Jahre eine große Kanzlei aufgebaut hat. Haben Sie deshalb Wirtschaft studiert?

Nein, das war eine rein rationale Entscheidung. Ich versprach mir einfach die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Wann ist also Ihre Entscheidung gereift in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten?

Erst während des Studiums, wo mir das Lernen interessanterweise keine große Mühe mehr bereitet hat. Der Beruf meines Vaters hat mich seit jeher interessiert. Als Kind war ich ständig bei ihm im Studio. Vor allem seine Selbstständigkeit faszinierte mich. Deshalb meinte ich bereits in der Mittelschule: Irgendwann möchte ich meine eigene Chefin sein. Ich wollte unabhängig sein, meine eigenen Entscheidungen treffen und finanziell abgesichert sein.

Sie haben vor fünf Jahren das Studio Ihres Vaters übernommen und beschäftigen seither sieben Mitarbeiter/innen. Wie schwer lastet eine solche Verantwortung?

Natürlich trage ich Verantwortung. Nicht nur für die Mitarbeiter/innen sondern auch für die Klein- und Mittelständischen Betriebe, die wir beraten. Ein Fehler von unserer Seite kann ihnen teuer zu stehen kommen. Unser Job ist nicht immer leicht, jeden Tag treten neue Steuergesetze in Kraft, man muss laufend am Ball bleiben, sich fort- und weiterbilden. Entsprechend schwierig ist es, junge Wirtschaftsstudent/innen für diesen Beruf zu begeistern. Praktikant/innen, die beide Landessprachen gut beherrschen, sind nicht leicht zu finden. Gott sei Dank hatten mit unseren Mitarbeiter/innen immer großes Glück.

Sind Sie eine strenge Chefin?

Mein Vater, der nach wie vor jeden Tag im Büro ist, hat immer gesagt: Wenn sich ein Mitarbeiter richtig ins Zeug legt, dann soll er dafür belohnt werden. Auch finanziell. Diese Philosophie lebe ich weiter.

Wie schätzen Sie das Image der Wirtschaftsberater/innen in der Gesellschaft ein?

Leider nicht sehr hoch. Im Gegensatz zu einem Handwerker, sieht man unsere Arbeit nicht. Dazu kommt, dass wir es sind, die dem Kunden die Höhe der Steuerschuld mitteilen müssen. Für viele Kunden sind diese Summen ein Schock, entsprechend verärgert sind sie. Aber ich mag meinen Beruf, vor allem finde ich es interessant so viele unterschiedliche Betriebe kennenzulernen.

Ihre Kunden kommen vor allem aus dem Vinschgau, wie schätzen Sie die Wirtschaft im Westen des Landes ein?

Ich finde, dass sie gut dasteht. Jedenfalls musste in den fünf Jahren, seit ich hier im Studio bin, noch kein Kunde Konkurs anmelden. Das spricht auch für die Weitsicht und das gute Wirtschaften der Vinschger/innen.

Sie wurden in mehreren Unternehmen und öffentlichen Gesellschaften als Aufsichtsrätin bestellt. Unter anderem kontrollieren Sie die Freie Universität Bozen. Wie hoch ist heute das Risiko eines Aufsichtsrates?

Einem Aufsichtsrat obliegt die Kontrolle über die Verwaltung einer Gesellschaft. Sollte es zu einem Fehlverhalten oder zu Unterlassungen kommen, dann haften nicht nur wir sondern auch die Verwaltungsräte. Entsprechend muss man das Unternehmen sehr genau kontrollieren und darf wirklich nichts übersehen.

Sie sind Mutter von zwei Kindern, ist es als Selbstständige einfacher Familie und Beruf zu vereinen?

Man kann sich sicher mehr Freiheiten rausnehmen. Als meine Kinder noch klein waren, habe ich sie manchmal zu Aufsichtsratssitzungen mitgenommen. Für meine Sitzungskollegen war das nie ein Problem. Dafür war es für mich ein Problem, ich war mit mir selbst über Jahre im Konflikt. Mit dem Spagat Familie und Beruf kam ich lange nicht zurecht. Der Vater meiner Kinder und ich haben die Rollen getauscht, er war zu Hause bei den Kindern, ich bei der Arbeit.

Zur Person

Carmen Zwick,42, wuchs in Mals auf und lebt heute mit ihren beiden Kindern (4 und 8) in Meran. Sie studierte in Bologna Betriebswirtschaft, bevor sie in der Wirtschaftskanzlei Biasin&Biasin in Bozen ihr Praktikum zur Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin absolvierte. Nach der Staatsprüfung stieg sie in die Kanzlei ihres Vaters in Mals ein. 2011 hat sie die Geschäfte des Studios Zwick übernommen, seit 2014 hat das Studio neben dem Hauptsitz in Mals auch eine Filiale in Meran.

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