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Wirtschaft = Zukunft
Andrea Kuppelwieser

Andrea Kuppelwieser

Die Mutige

Andrea Kuppelwieser kennt sich aus: Marillen, Johannisbeeren, Gemüse, aber vor allem Äpfel haben es der Bäuerin aus Schluderns angetan. Sie hat anpacken gelernt, kann mit Maschinen umgehen, widmet ihre Freizeit unter anderem dem Ortsbäuerinnenrat und wünscht Frauen, dass sie sich Fehler verzeihen, um den Mut nicht zu verlieren.

Sie hatten in ihrer Jugend mit Äpfeln nichts am Hut. Wie kam es dazu?
Ich bin mitten in der Natur hoch über Schluderns aufgewachsen. Mein Vater hat mir 1991 im Tal fünf Hektar ebenen Grund vererbt – ohne Beregnung und teilweise moosig. Schritt für Schritt haben wir melioriert und Beregnungen gebaut. Die ersten Apfelbäume hat uns mein Vater geschenkt. Mein Mann war damals Mechaniker und später LKW-Fahrer. Jeder verdiente Cent ist in das Feld geflossen. Das erste Geld auf dem Acker haben wir hauptsächlich mit Gemüseanbau verdient. Wir haben Radicchio, Lauch, Sellerie und vor allem Karfiol angepflanzt, bis wir uns ab 2002 nur mehr auf den Apfelanbau konzentriert haben.

Hat es mit den Äpfeln sofort geklappt?
Nein, es gab viele Rückschläge. Wir hatten Probleme mit der Qualität der Bäume, im Anbau und mit dem Wasser. In der Fürstenburg in Burgeis habe ich einen Obstbaukurs gemacht. Ich wollte lernen und Fehler verstehen, bin bei Flurbegehungen mitgegangen, habe mich über die Baumpflege in-formiert und allgemeines Wissen aufgesaugt. Neben seiner Tätigkeit in der Viehwirtschaft hat sich mein Vater eingebracht, wo er nur konnte. Meine Mutter und Schwiegermutter waren mir bei der Kinderbetreuung eine große Stütze. Auch Verwandte, vor allem zwei Tanten, haben mir bei der Arbeit auf dem Feld für ein Dankeschön geholfen.

Ihr Mann hat 1997 seine Stelle aufgegeben und ist in den Landwirtschafts-betrieb eingestiegen. Was hat sich für Sie geändert?
Der Zeitpunkt war gekommen, an dem wir glaubten, endlich nur mehr von einer Arbeit – der am Hof – leben zu können. Ich musste, aber konnte auch, ein paar Schritte zurücktreten. Es wurde eine gemeinsame Geschichte, die zum Erfolg geführt hat. Das verlangt gegenseitigen Respekt, Toleranz und oft auch Diplomatie.

Hat es finanziell immer gereicht?
Wir hatten anfangs nur alte Maschinen. Einige unserer ersten Möbelstücke waren selbstgemacht. Der Gang zur Bank wegen der ersten Finanzierungsanfrage und ohne große Einkünfte war demütigend. Schulden sind nicht gleich Schulden. Es ist ein Unterschied, wofür ich das Geld ausgebe. Wir haben anfangs nur in die Produktion auf dem Feld investiert. Da muss man schon die Nerven bewahren. Zwischendurch sind auch Existenzängste aufgekommen. Es gibt immer ein nicht kalkulierbares Risiko. Wenn wir etwas verkaufen müssten, würde es mir das Herz zerreißen.

Ihre große Leidenschaft gilt bis heute dem Ortsbäuerinnenrat. Warum?
Wir sind alle Powerfrauen, ein gutes Team und bunt gemischt: Bergbäuerinnen, Vieh- und Obstbäuerinnen. Wir arbeiten für die Dorfgemeinschaft, wollen die bäuerliche Gemeinschaft zusammenzuhalten und ein neues Bild der Bäuerin etablieren: Die Bäuerin ist heute durchwegs gebildet, oft berufstätig und nicht immer ganztags am Hof. Trotzdem arbeitet sie dort mit und behält eine wichtige Rolle.

Was raten Sie Frauen in Führungspositionen?
Frauen sollen sich trauen, sich Diskussionen zu stellen und keine Angst haben, nicht perfekt zu sein. Es ist auch wichtig, die Fähigkeiten anderer zu erkennen und zu nutzen. Es gilt, Ziele vor Augen zu haben, mit Herz und Argumenten zu überzeugen und zu motivieren. Die Frau darf sich selbst dabei nicht aus den Augen verlieren. Sie sollte unter anderem für die eigene Zukunft vorsorgen.

Zur Person

Andrea Kuppelwieser Spechtenhauser ist 1967 geboren und mit zwei Geschwistern und einem Pflegebruder aufgewachsen. Im Maturajahr ist ihr Sohn David geboren, das Wissenschaftliche Lyzeum hat sie dennoch ohne Verzug abgeschlossen. Nach einigen Prüfungen an der Uni in Trient fiel ihre Entscheidung zugunsten der Landwirtschaft. Gemeinsam mit ihrem Partner Lorenz Spechtenhauser machte sie daraus einen Apfelbetrieb, der inzwischen über 8,5 Hektar verfügt und beim Klauben bis zu 18 Arbeiter beschäftigt. 1999 erblickte, 14 Jahre nach dem ersten Kind, ihr zweiter Sohn Michael das Licht der Welt.

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