Handelskammer Bozen
Transportgewerbe

Wirtschaftsbarometer Transport und Dienstleistung

Transportgewerbe in Schwierigkeiten, möglicher Aufschwung im Dienstleistungssektor

Data: 
Dienstag, 13. April 2021
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Die Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt die schwierige Situation des Transportsektors, wo fast die Hälfte der Unternehmen die Rentabilität im Jahr 2020 für unbefriedigend hält und 40 Prozent pessimistisch ins Jahr 2021 blicken. Im Dienstleistungssektor herrscht dagegen mehr Zuversicht für das laufende Jahr, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Branchen.

Mehr als ein Fünftel der Südtiroler Unternehmen im Dienstleistungssektor schätzen ihre Ertragslage im Jahr 2020 negativ ein. Die Umsatzeinbußen durch die zweite Welle der Pandemie in den letzten Monaten des vergangenen Jahres hielten sich jedoch in Grenzen, in einer Größenordnung von etwa zehn Prozent. Dies schaffte etwas Optimismus und für die meisten Dienstleistungsbranchen geht man heuer von Umsatzsteigerungen aus. 85 Prozent der Dienstleister/innen erwarten, das laufende Jahr mit einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis abzuschließen und etwa ein Viertel von ihnen möchte heuer wieder mehr investieren. Sorgen bereiten aber die Zahlungsmoral der Kund/innen und die Entwicklung der Kosten, wo die Unternehmen eine weitere Verschlechterung erwarten.

Betrachtet man jedoch die einzelnen Dienstleistungsbereiche, so ergibt sich ein recht heterogenes Bild. Besonders schwierig ist die Situation für das Verlagswesen und die persönlichen Dienstleistungen. Letztere waren wiederum von Schließungen betroffen, die zur Eindämmung der zweiten Pandemiewelle angeordnet wurden. Die Branche der Unternehmensdienstleistungen ist deutlich zuversichtlicher, wie auch der Finanzbereich: Die Banken erwarten zwar weiterhin niedrige Zinsen und eine Verschlechterung der Kundensolvibilität, berichten aber von einem deutlichen Anstieg der Einlagen und der Kreditvergabe sowie von einer günstigen Entwicklung der Betriebskosten, dank der Rationalisierungsmaßnahmen der letzten Jahre.

Wesentlich kritischer ist die Situation im Transportsektor, wo nur etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen das Jahr 2020 mit einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis abschließen konnte. Bei sechs von zehn Unternehmen sind die Umsätze gesunken und die Unternehmer/innen klagen über eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen, vor allem der Betriebskosten und der Wettbewerbssituation. 

Die Lage bei den Aufstiegsanlagen ist besonders dramatisch, aufgrund des Ausfalls der Skisaison und auch im Personen- und Güterverkehr sind die Ertragserwartungen bescheiden: In beiden Branchen geht mehr als ein Viertel der Unternehmen davon aus, dass die Rentabilität im Jahr 2021 weiterhin unbefriedigend bleiben wird. Der Personenverkehr zeigt aber etwas Optimismus, was die Entwicklung von Umsatz und Investitionen anbelangt. Diese positiven Anzeichen sind hingegen im Frachtbereich nicht zu sehen, wo eine allgemeine Verschlechterung der Rahmenbedingungen wie Kostendynamik, Wettbewerbssituation, Zugang zu Krediten und Zahlungsmoral der Kund/innen erwartet wird.

Schließlich wirkt sich die anhaltende Krise negativ auf die Beschäftigung aus: 2020 war die durchschnittliche Zahl der unselbständig Beschäftigten im Transportsektor um 2,9 Prozent niedriger als im Vorjahr. Der Rückgang im Dienstleistungssektor fiel mit -1,7 Prozent geringer aus. 

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, betont die Notwendigkeit, die Skigebiete zu unterstützen: „Nach der plötzlichen (dritten) Absage der Saisoneröffnung mit nur wenigen Stunden Vorlauf, müssen die Liftbetreiber für die Kosten und Investitionen entschädigt werden, die sie für den Betrieb der Skigebiete getätigt haben. In Zukunft soll in touristische Werbekampagnen stark investiert werden, um den Marktanteil, den die Südtiroler Skigebiete in den letzten Jahren hart erarbeitet haben, nicht zu verlieren.“

Methodische Anmerkung:
Im Rahmen des WIFO-Wirtschaftsbarometers umfasst der Dienstleistungssektor folgende Branchen: Verlag und Kommunikation, Informatik, Kredit und Versicherung, Immobilienverwaltung sowie personen- und unternehmensbezogene Dienste. Nicht eingeschlossen sind Handel und Gastgewerbe. Das Transportgewerbe wird gesondert untersucht.

Nachfolgend die Stellungnahmen der Wirtschaftsverbände:

Thomas Baumgartner, Präsident Sektion Transport im Unternehmerverband Südtirol
„Die starken Einschränkungen am Brennerpass haben für gravierende Probleme gesorgt und unseren Sektor vor große Herausforderungen gestellt. Die Lösung für eine nachhaltige Mobilität sind keine Verbote, sondern eine Technologieoffensive. Stark gelitten hat auch der Personentransport, nicht zuletzt durch den enormen Rückgang des Tourismus. Es ist zu hoffen, dass es durch die Impfungen zu einer raschen Verbesserung der Situation kommt.“

Heini Grandi, Präsident Coopbund
„Innerhalb des Dienstleistungssektors haben vor allem die persönlichen Dienstleistungen einen drastischen Umsatzrückgang erlitten. Dieser bedroht die Existenz vieler Unternehmen, die für Gesellschaft und Arbeitswelt unverzichtbar sind. Wenn es um öffentliche Beihilfen geht, darf das Genossenschaftswesen nicht vergessen werden. Die endgültige Lösung bleibt aber die schnelle Rückkehr zur Normalität, um wieder in Sicherheit arbeiten zu können.“

Elmar Morandell, Obmann der Berufsgruppe Transport im lvh Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister
„Die Situation des Transportsektors spitzt sich weiterhin zu: Der Personentransport konnte 2020 nicht einmal 20 Prozent der üblichen Dienste umsetzen und es ist immer noch kein Ende in Sicht. Ein weiterer Schlag war die Grenzschließung. Für Warentransporteure hatte das Vorweisen eines negativen Corona-Testes bei der Einreise nach Deutschland lange Wartezeiten, Einschränkungen und oft unzumutbare Situationen zur Folge. Es muss sich etwas ändern!“

Philipp Moser, hds-Präsident
„Für viele Bereiche der Dienstleister ist es noch eine harte Zeit, wie etwa für Eventdienstleister, Reisebüros oder Fitnesszentren. Diese müssen weiterhin viel Resilienz und Durchhaltevermögen aufzeigen. Es geht darum, den Betrieben eine Perspektive zu bieten und ihren Fortbestand über die Krise hinaus zu sichern. Ein starker Zusammenhalt und Netzwerke sind für die Zukunft entscheidend!“

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