Alto contrasto
Bevor Marion Künig eine Social-Media-Strategie entwickelt, hört sie zu. Sie möchte verstehen, was Menschen bewegt, welche Werte ein Unternehmen prägen und worin seine Besonderheit liegt. Social Media ist für die 29-jährige Gründerin und Unternehmerin ein Werkzeug, um Geschichten zu erzählen und Beziehungen aufzubauen.
Frau Künig, so.you mit Sitz in Bozen arbeitet mit einem Team von 20 Personen. Sie haben kaum Werbung geschaltet und wachsen trotzdem kontinuierlich. Wie geht das?
Marion Künig: Wir wollten nie möglichst viele Kund/innen gewinnen, sondern die richtigen. Deshalb verkaufen wir keine Standardpakete und arbeiten nicht nach Schema A, B oder C. Jeder Betrieb ist anders. Wenn wir merken, dass wir nicht die Richtigen sind, lehnen wir Aufträge auch ab.
Viele glauben, Social Media bestehe aus schönen Videos. Sie sagen, erfolgreiche Kommunikation beginnt früher. Wann?
Social Media beginnt mit einer Strategie. Deshalb starten wir jede Zusammenarbeit mit einem Kick-off. Wir schauen uns den Betrieb an, stellen Fragen, analysieren die Ausgangslage, die Zielgruppen, die Mitbewerber und entwickeln im Team eine Social-Media-Strategie mit Content-Blöcken, Redaktionsplänen und grafischen Vorlagen.
Wie führen Sie?
Wir arbeiten mit klaren Prozessen, transparenter Kommunikation und realistischen Zielen, feiern gemeinsam erreichte Meilensteine, essen montags als Team zusammen und haben Danke-Boxen aufgestellt, in denen sich alle gegenseitig Wertschätzung zeigen können.
Künstliche Intelligenz verändert Social-Media-Marketing rasant. Welche Rolle werden Agenturen künftig spielen?
Betriebe können Inhalte schneller erstellen als früher. Wir merken, dass der Beratungsbedarf wächst. Deshalb entwickelt sich so.you stärker hin zu strategischer Beratung. Die Kanäle werden sich verändern. Wir investieren viel in eigene Weiterbildung, besuchen Messen und beobachten, wie sich die Branche entwickelt.

Warum ist Ihnen die Weitergabe von Wissen wichtig?
Viele Menschen glauben, Social Media sei schnell gelernt. Das zeigt auch die große Zahl an Blindbewerbungen. Dabei steckt viel Fachwissen, Ernsthaftigkeit und Projektmanagement dahinter. Deshalb haben wir die so.me Social Media Academy gegründet. Dort bilden wir Menschen berufsbegleitend aus. Im Mentorinnen-Programm der Handelskammer Bozen begleite ich Frauen, die sich selbstständig machen möchten. Sie erzählen häufig zuerst das, was sie nicht können. Ich frage sie, was das Schlimmste ist, das passieren kann – wenn dieses Szenario nicht so schlimm ist, geht vieles leichter.
Wenn Sie zehn Jahre nach vorne blicken: Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen?
Ich sehe mich auf jeden Fall bei so.you. Entscheidend bleibt, dass wir unsere Mitarbeitenden fördern, offen für neue Ideen bleiben und uns als Unternehmen weiterentwickeln. Gleichzeitig möchte ich mir bewusst Zeit für Dinge nehmen, die mir Kraft geben: Sport, die Berge, Freundschaften und mein ehrenamtliches Engagement in der Musikkapelle.
Marion Künig, Jahrgang 1997, wuchs in Kardaun auf und studierte nach dem Kunstlyzeum in Bozen Wirtschaft mit Schwerpunkt Tourismus an der Universität Innsbruck im Außensitz Landeck sowie Marketing am MCI Innsbruck. Bereits während des Masterstudiums betreute sie Kund/innen im Social-Media-Bereich und arbeitete zunächst als Freiberuflerin.
Gemeinsam mit Verena Baumgartner entstand 2022 daraus so.you. Das Unternehmen beschäftigt rund 20 Personen, berät Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größen. Marion Künig verantwortet unter anderem Strategie, Controlling, Vertrieb und Finanzen.