Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Giorgia Daprà

Ich bin keine Karrierefrau, sondern mache, was mir gefällt

Aufgabe von Giorgia Daprà ist es, Soll und Haben auf die Reihe zu bringen. Und zwar nicht für sie, sondern für andere. Nach dem Abschluss des Wirtschaftsstudiums in Verona im Jahr 1995 ist Giorgia in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und ist heute Partnerin des Studio Palazzi Daprà Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Bozen. Außerdem ist sie im Verzeichnis der Abschlussprüfer eingetragen und Mitglied des Komitees für Chancengleichheit der Kammer der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der Provinz Bozen. Giorgia begeistert sich vor allem für den Non-Profit-Bereich und schafft es, die Balance zwischen ihrer Rolle als Freiberuflerin und jener als Mutter von Leonardo, 9 Jahre alt, und Lorenzo, 4 Jahre alt, zu halten.

Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit Abschlussprüfungen für Gesellschaften; was gefällt Ihnen denn besonders an Ihrer Arbeit?

Das Schöne an meinem Beruf ist vor allem seine Vielseitigkeit. Jeder Fall ist anders, weil er eine ganz spezifische Lage widerspiegelt. Die meisten Menschen glauben, dass wir es nur mit Zahlen zu tun haben; in Wirklichkeit stehen diese Zahlen jedoch für Lebensgeschichten, Projekte, versteckte Welten. Was mir hingegen gar nicht gefällt, ist die große Zeitverschwendung für die Erledigung bürokratischer Auflagen, mit denen diese Arbeit verbunden ist.

Wenn wir Sie bitten würden, eine Liste Ihrer schönsten beruflichen Erfahrungen zu erstellen, was würde dann an erster Stelle stehen?

Ich kann mich sehr für den Non-Profit-Bereich und das Genossenschaftswesen begeistern. Mit solchen Einrichtungen zu arbeiten bzw. zu verstehen, wie sie genau funktionieren, und ihnen behilflich sein zu können, ist für mich eine große Genugtuung. Ich kann Ihnen versichern, dass es in unserem Land viele Spitzeneinrichtungen gibt. Damit meine ich vor allem Vereine und Stiftungen, die mit großem Einsatz und viel Begeisterung im sozialen Bereich tätig sind.

Haben Sie auch schwierige Situationen erlebt?

Leider ja; da fällt mir vor allem ein Kunde ein, der bankrott gegangen ist. Ein Kunde, der auch ein Freund ist. Aufgrund unseres Berufes sind wir eine Art Berater für die Unternehmer/innen: Wir erteilen Ratschläge, erstellen Bilanzanalysen, kontrollieren die Rechnungsführung und versuchen, die richtigen Mittel zu liefern, um den Werdegang einer Gesellschaft überblicken zu können. Schlussendlich sind aber nicht wir die Unternehmer/innen und können daher auch nicht für sie entscheiden.

Ihr Leben dreht sich aber nicht nur um die Arbeit...

Auf keinen Fall. Ich bin in erster Linie Mutter und wie alle berufstätigen Mütter habe ich immer Schuldgefühle, wenn ich meinen Kindern nicht die nötige Zeit widmen kann. Ich glaube jedoch, dass es den Kindern auch gut tut, wenn sie eine Mutter haben, die mit ihrer Arbeit zufrieden ist und für sie ein Vorbild für das spätere Leben sein kann.

Verfügt heutzutage Ihrer Meinung nach eine Frau, die Arbeit und Kinder vereinbaren will, auch über die erforderlichen Mittel?

Ich glaube, dass unsere Gesellschaft in diesem Punkt noch Aufholbedarf hat. Es fehlt immer noch eine konkrete Frauenpolitik, die den berufstätigen Frauen mit Familie die nötige Unterstützung bietet. Zum Glück kann ich in meinem Fall auf eine sehr hilfsbereite Familie zurückgreifen, angefangen bei meinem Mann, der sich mit seiner Arbeit auch Zeit für die Kinder nehmen kann, bis hin zu den wertvollen Großeltern. Aber nicht alle haben dieses Glück.

Außerdem ziehen es die Arbeitgeber vor, Männer anzustellen...

Das kommt leider vor; eine Frau könnte nämlich schwanger sein und in Mutterschaft treten, was für den Arbeitgeber Mehrausgaben mit sich bringt. Doch es handelt sich, fürchte ich, grundlegend um ein kulturelles Problem. Obwohl heute auch Väter Anspruch auf Elternzeit hätten und die Frau arbeiten gehen könnte, wird diese Möglichkeit nur selten ausgeschöpft. Hoffentlich ändert sich das bald.

Frau und Unternehmertum - klappt das?

Ich glaube ja, vor allem weil die Frauen anders arbeiten, unternehmungslustig und organisiert sind. Diese im Vergleich zur Männerwelt unterschiedliche Perspektive kann auch den Mehrwert der Frau ausmachen. Persönlich bin ich der Auffassung, dass ein gemischtes Team, wie wir es in unserer Kanzlei haben, die beste Möglichkeit bietet, um aus jedem das Beste herauszuholen und sich gegenseitig auszugleichen.

Sie gehören dem Komitee für Chancengleichheit Ihrer Berufskammer an. Haben Sie sich in Ihrer Arbeit schon einmal benachteiligt gefühlt?

Meine Berufswelt ist vor allem männlich geprägt. Im Allgemeinen ist daher der Ansatz schwieriger - ich erinnere mich noch an die vielen Schwierigkeiten zu Beginn meiner Laufbahn, aber sobald du akzeptierst wirst, gibt es keine Probleme mehr. Was uns Frauen fehlt, ist sicherlich ein gemeinsames Netz; oft überwiegen Konkurrenz und Wettstreit anstatt Gemeinschaftssinn und Solidarität.

Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ich versuche einfach, alles mit Leidenschaft zu tun. Mit der Zeit habe ich gelernt, auch mal Nein zu sagen, und zwar mir selbst wie auch den anderen. Dies hielt mich oft von meinen Zielen ab.

Würden Sie sich als Karrierefrau bezeichnen?

Nein, eher nicht; wenn ich eine Karrierefrau wäre, hätte ich keine Familie gegründet. Ich denke, ich bin eine Frau, die genau das macht, was ihr gefällt.

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