Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft
Evelyn Rainer

Evelyn Rainer

Eine Frage der Einstellung

Die Tradition und das kulturelle Erbe bewahren, ein familiäres, unverfälschtes Urlaubsgefühl bieten, das Bewusstsein für Regionales und für die Nachhaltigkeit schärfen und sich im Frauen-Netzwerk konstruktiv mit Gleichgesinnten austauschen – die Hochpustertaler Hotelierin Evelyn Rainer sieht in ihrem Beruf ihre Berufung und strahlt das auch mit jeder Pore aus.

Als Hotelierstochter ist Ihnen Ihr beruflicher Werdegang quasi schon in die Wiege gelegt worden, oder?
Eigentlich nicht. Nach meinem Wirtschaftsstudium habe ich zunächst bei einem Unternehmensberater angefangen, aber der Bürojob hat mich nicht ausgefüllt. Also habe ich mich doch für die Tourismusbranche entschieden, in Top-Betrieben im Gadertal und in Lech am Arlberg gearbeitet und tolle Erfahrungen gesammelt. Als meine Eltern unser Hotel umgebaut haben, war die Entscheidung meinen Tatendrang in unseren eigenen Betrieb zu stecken und sie damit auch zu entlasten, dann einfach naheliegend. 

Das Eggele ist ein echter Familien-betrieb – birgt das nicht Konfliktpotential?
Nein überhaupt nicht. Unsere Eltern haben die Übergabe des Familienbesitzes schon frühzeitig in trockene Tücher bringen wollen und die Teilung ganz im Sinne meines Bruders und mir vollzogen. Nach wie vor arbeiten meine Mutter und mein Vater mit, auch mein Bruder legt oftmals mit Hand an. Alles fußt bei uns auf einer gut funktionierenden, harmonischen und wertvollen Zusammenarbeit. Das ist uns und offensichtlich auch unseren Gästen enorm wichtig. Wir sind eben ein richtiger Generationsbetrieb. 

Die Arbeit als Hotelierin ist sehr zeitaufwendig, vielfach ein 24-Stunden-Job, wie lässt sich das mit einer Familie vereinbaren?
Eigentlich ganz gut, schlussendlich ist alles eine Einstellungssache. Natürlich braucht es ein gewisses Verständnis von Seiten des Partners und der familiäre Rückhalt hilft uns, ganz klar. Für unsere Kinder ist das Aufwachsen in bzw. mit einem Hotel und der Umgang mit vielen verschiedenen Menschen etwas ganz Selbstverständliches - sie genießen das auch. Als wir einmal zusammen mit unseren Gästen Weihnachten gefeiert haben, hat unser Sohn gesagt: „Das ist super, wir haben die größte Familie auf der Welt.“ Und auch wenn ich manchmal viel um die Ohren habe, verbringe und er-lebe ich die Freizeit mit meinem Mann und meinen Kindern umso gezielter und intensiver. 

Sie sind darüber hinaus auch noch ziemlich engagiert?
Ich war einige Jahre lang im örtlichen Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) aktiv, eine Legislaturperiode zudem im HGV-Landesausschuss, in der Zeit, in der Frauen dort noch ein Novum waren. Seit der Geburt meines zweiten Sohnes habe ich mich zwar eingeschränkt, ich gehöre aber weiterhin der Arbeitsgruppe der HGV-Frauen an. Wir sind zu viert, von jedem Bezirk eine und organisieren unter anderem verschiedenste Veranstaltungen, von Wohltätigkeit über Fortbildungen bis hin zu Reisen. Grundsätzlich geht es aber darum, ein Netzwerk für einen Austausch unter uns tourismustreibenden Frauen zu schaffen. Schließlich sitzen wir alle im gleichen Boot, unabhängig davon, aus welcher Art von Betrieb wir kommen. 

Stichwort Personalmangel: Wie kann man die nächste Generation für Ihren Berufszweig gewinnen?
Im Rahmen der Berufskampagnen in den Mittelschulen bin ich auch im direkten Kontakt mit den Kids und sehe eine gewisse Lustlosigkeit. Das scheint generell in unserer gesellschaftlichen Mentalität zu liegen, nicht nur was die Arbeit betrifft. Einsatz und Durchhaltevermögen sind vielen zu mühsam, so gesehen müssen wir uns bei der Nase fassen und schon bei der Erziehung anfangen.

Was reizt Sie an Ihrer Arbeit ganz besonders?
Ich habe den schönsten Beruf der Welt, denn ich darf die schönsten Tage des Jahres - und das ist für viele Menschen nun einmal der Urlaub - mit ihnen gestalten und verbringen. Die Dankbarkeit unserer Gäste, die hier in unserem Hotel dem Alltagstress entfliehen und die Batterien neu aufladen und ihre damit verbundene Herzlichkeit, das ist schon alles sehr befriedigend für mich.

Zur Person

Evelyn Rainer, Jahrgang 1980, studiert nach der Matura an der LEWIT Innichen Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck und arbeitet als Unternehmensberaterin, bevor sie im Jahre 2014 den Familienbetrieb, das Hotel Eggele in Winnebach bei Innichen übernimmt. Mit Leib und Seele sorgt die Mutter von zwei Söhnen (3 & 5 Jahre) seitdem im geschichtsträchtigen Haus als Hotelierin aus Leidenschaft für das Wohl ihrer Gäste.

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