
Wirtschaftsbarometer Baugewerbe
Im Jahr 2025 blieb die Auslastung der Produktionskapazität in der Südtiroler Bauwirtschaft auf hohem Niveau und neun von zehn Unternehmen zeigen sich mit der erzielten Rentabilität zufrieden. Für die kommenden Monate wird aber eine Abschwächung der Nachfrage erwartet. Dies geht aus der Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.
Das Geschäftsklima im Baugewerbe bleibt insgesamt positiv: Neun von zehn Unternehmen erklären sich mit der im Jahr 2025 erzielten Rentabilität zufrieden. Die Auslastung der Produktionskapazität lag bei rund 90 Prozent. Was die Beschäftigung angeht, so zählte der Bausektor im Jahresdurchschnitt fast 18.500 Arbeitnehmer/innen und somit 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr.
Im Bereich der Bauinstallation und der Fertigstellung von Gebäuden blieben die Umsätze 2025 auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Die Rentabilität profitierte von den gestiegenen Kundenpreisen, wodurch die zunehmenden Betriebskosten aufgefangen werden konnten. Im Tiefbau wurde die Nachfrage durch Aufträge im Rahmen des Nationalen Plans für Aufbau und Resilienz (PNRR) gestützt. Fast alle Unternehmen der Branche verzeichnen eine zufriedenstellende, in über einem Drittel der Fälle sogar gute Ertragslage. Bei den Investitionen war ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, insbesondere bei den Anschaffungen von Maschinen. Auch im Hochbau lag die Kapazitätsauslastung bei über 90 Prozent. Die Unternehmen dieser Sparte melden ein Wachstum bei Umsatz und Investitionen. Die Rentabilität 2025 war in 85 Prozent der Fälle zumindest befriedigend und bei 44 Prozent wirklich gut.

Nach Ansicht der befragten Unternehmer und Unternehmerinnen wird die Nachfrageentwicklung im Bausektor in den kommenden Monaten durch das Auslaufen des PNRR und die mögliche Verschiebung von Bauinvestitionen infolge der Krise im Nahen Osten beeinflusst werden. Folglich wird kein weiterer Anstieg der Umsätze erwartet. Die Ertragslage dürfte aber zufriedenstellend bleiben.
Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, betont die Bedeutung der öffentlichen Nachfrage für die Baubranche: „In Zeiten rückläufiger privater Nachfrage gewinnen öffentliche Aufträge für viele Unternehmen noch mehr an Bedeutung. Es muss jedoch sichergestellt werden, dass auch kleinere Betriebe Zugang zu den Ausschreibungen erhalten, um das gesamte unternehmerische Gefüge unserer Wirtschaft zu schützen.“
Es folgen die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:
Christian Egartner, Präsident des Baukollegiums
„Neben dem Auslaufen des PNRR hat auch die Krise im Nahen Osten spürbare Auswirkungen auf die Baubranche: Energie- und Rohstoffpreise sind explodiert. Bei öffentlichen Ausschreibungen braucht es endlich funktionierende und anwendbare Mechanismen, um unerwartete Preisschwankungen auszugleichen, damit für alle Vertragspartner Rechtssicherheit und Klarheit herrscht.“
Rodolfo Gabrieli, Präsident CNA-SHV Bauwesen Südtirol
„Das Jahr 2026 hat im Zeichen der Ungewissheit begonnen. Der Anstieg der Energie- und Materialkosten führt bereits jetzt zu einem Rückgang der Aufträge, wodurch die Rentabilität der Unternehmen der Branche unter das Niveau der letzten Jahre sinken wird. Es braucht eine stärkere Unterstützung durch die öffentlichen Stellen in Form von Ausschreibungen, die auf Kleinst- und Kleinunternehmen zugeschnitten sind.“
Fritz Ploner, Baugruppenobmann im lvh
„Für kleine und mittlere Unternehmen sind verlässliche Rahmenbedingungen mindestens ebenso entscheidend wie gezielte Investitionsanreize. Nur wenn Planungssicherheit, Zugang zu Aufträgen und wirtschaftspolitische Stabilität gewährleistet sind, können Betriebe weiterhin investieren, Beschäftigung sichern und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken.“





