Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Schöne Aussicht

Schnalser Weitblick

Visionär, authentisch, einzigartig: Wenn Paul Grüner eine neue Idee umsetzt, ist medialer Erfolg garantiert. Warum für den Schnalser Hotelier weniger mehr bedeutet und wie er es damit in nationale wie internationale Medien schafft - ein Porträt.

Wie ein mächtiger Balkon trohnt er über der Straße. Der neue Kreuzgang von Karthaus. So jedenfalls nennt Paul Grüner das Novum seines Hotels Goldene Rose. Es ist ein 100 Meter langer Verbindungstrakt, der vom Hotel ins dazugehörige Spa führt. Barfuß läuft der groß gewachsene Hotelier über die Holzbolzen des Balkons, vorbei an alten Kinosesseln, die er dort bewusst lässig positioniert hat. Für eine spektakuläre Aussicht auf die schroffe Felswand auf der Talseite gegenüber.

Authentisch. Paul Grüner weiß, womit er Gäste beeindrucken kann. Goldene Wasserhähne gehören nicht dazu. Der Reiz liegt im Einfachen, im Authentischen. Der Schnalser Hotelier versteht es Geschichten zu erzählen. Er ist ein Meister im Storytelling, ein Glücksfall für jeden Journalisten. Es ist seine natürliche Art, seine Bodenständigkeit, die ihn so begehrlich, so interessant machen. Damit schafft er es in internationale Magazine. Erst jüngst hat das renommierte deutsche Reisemagazin Geosaison über das von ihm geführte Zollhaus berichtet. Das einsam gelegene Steinhäuschen mit freiem Blick auf den Schnalstaler Gletscher hat es in die Ausgabe der „100 schönsten Hotels Europas“ geschafft. Als Hideaway der Ursprünglichkeit auf 2.840 Metern Höhe.

Einzigartig. Das ehemalige österreichische Grenzhaus ist anders. Es ist so klein, dass nur zwei Gäste reinpassen. Ausgestattet ist es mit dem Notwendigsten: In der Küche mit einem Holzherd und einer Kaffeemaschine, im Badezimmer mit einer für Lappland typischen Gefrier-Toilette. Geduscht wird, so fern nicht zu kalt, mit einem schwarzen Schlauch im Freien. „Wir kommunizieren unseren Gästen im Vorfeld sehr genau, dass es hier keinen Luxus gibt. Entsprechend beschwert sich auch niemand“, erzählt Paul Grüner. Das muss sich auch niemand. Denn gleich ums Eck, nur 800 Meter entfernt, liegt die Schöne Aussicht. Eine Schutzhütte, die in ihren 120 Jahren Geschichte ihr heimeliges Hüttenflair nie verloren hat. Dort finden die Zollhaus-Gäste all die gewünschten Annehmlichkeiten für den perfekten Urlaub am Gletscher. Samt Warmduschen, Frühstück und Abendessen.

grenzhaus

Die Schöne Aussicht ist sein Leben. Sein Bruder Michael hat sie Anfang der 80er Jahre gemeinsam mit 25 Freunden aus Bozen ersteigert. Paul Grüner selbst hat die Schöne Aussicht erst geführt, 1999 schließlich gekauft. „Ich habe den 25 Investoren ihre Anteile abgekauft und ihnen ein Versprechen gegeben: Sie dürfen auf der Hütte lebenslang gratis essen und trinken“, so Grüner.

Seit knapp 40 Jahren spielt sich Paul Grüners Leben hoch oben am Gletscher ab. Zumindest untertags. Denn Abends geht es mit den Skiern wieder zurück ins Tal. In das Hotel Goldene Rose im Dorfkern von Karthaus. Von seinen Eltern übernommen, führt es heute vor allem seine Frau Stefania. Mit Herz, Passion und vor allem einem guten Händchen für das Schöne. „Meine Frau kommt auch aus dem Schnalstal, ist aber früh raus aus dem Tal und wollte eigentlich weder einen Wirt noch einen Schnalser heiraten. Ich habe ihr sozusagen einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erzählt Grüner.

Innovativ. Mittlerweile sind sie seit 15 Jahren verheiratet und haben drei Kinder im Alter von 17, 14 und 9 Jahren. Gemeinsam lancieren sie immer neue Ideen. Von der Gletscher-Kosmetiklinie Glacisse über das Filmcatering „Die Knödel“ bis hin zu den drei Schneeiglus, gleich neben der Schönen Aussicht. Um eine Nacht im Iglu, wo Gäste in warmen Expeditionsschlafsäcken auf kuscheligen Schaffellen schlafen, reißen sich abenteuerlustige Pärchen genauso wie Journalisten aus aller Welt. Den medialen Erfolg, so erzählt Paul Grüner, verdanke er vor allem dem Tourismusmarketing des Landes. „Der damalige SMG-Direktor Christoph Engl hat hier sicher Großes geleistet. Er hat Südtirol sehr konsequent vermarket und auch wir hatten das Glück Journalisten empfohlen zu werden. Diese Berichterstattung hat nicht nur uns, sondern dem gesamten Schnalstal gut getan“, meint Grüner.

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