Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Profilholz Passeier

Ich steh auf Qualität

Die Profilholz Passeier Genossenschaft stellt in ihrem Werk in St. Leonhard in Passeier naturbelassene Dielenböden her. Warum mehr als die Hälfte der Kund/innen aus Deutschland extra nach Südtirol anreisen, um sich ihren Boden auf Maß auszusuchen, erzählt der Geschäftsführer des Südtiroler Handwerksbetriebes, Erich Egger,  im Interview.

Herr Egger, Sie haben Ihr Unternehmen 2008 gegründet.  Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise in den darauffolgenden Jahren sind auch an der Südtiroler Wirtschaft nicht spurlos vorbei gegangen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Richtig, bis 2008 waren ich und meine Geschäftspartner selbst Angestellte bei einer Firma, die im Zuge der Krise Konkurs anmelden musste. Wir haben uns quasi zum schlechtesten erdenklichen Zeitpunkt selbstständig gemacht (schmunzelt). Besonders schwierig gestaltete es sich für uns in dieser Zeit, Finanzierungen zu erhalten. Um Investitionen in Maschinen tätigen zu können, mussten wir einen Kredit aufnehmen, stießen aber bei vielen Banken auf verschlossene Türen.
Am Ende hat es doch geklappt und eigentlich ging es seit 2009 für unseren Betrieb nur noch aufwärts. Damals war die Krise jedoch allgegenwärtig, vor allem in den Medien. Ich habe also irgendwann aufgehört, mir die Negativschlagzeilen anzuschauen und mich auf das Positive konzentriert. Unser Glück war es, dass wir nie für die Masse produziert haben, das heißt zum Beispiel keine großen Hotels oder Wohnanlagen beliefert haben. Wir haben immer auf die Privatkunden gesetzt und diese haben uns wiederum durch Mundwerbung zu neuen Aufträgen verholfen. Wir haben seit 6 Jahren keine einzige Werbeanzeige mehr geschaltet.

Sie haben Ihre Südtiroler Landhausdielen ® als Marke registrieren lassen. Wie unterscheiden sich Ihre Holzböden von industriell hergestellten Fußböden?
Wir haben von Anfang an auf die Qualität unseres Produktes gesetzt. Wir produzierten keine Masse. Im Jahr laufen bei uns ca. 7.000 Meter Holz durch das Sägewerk, beim kleinsten industriellen Betrieb sind es an einem einzigen Tag rund 1.800 Meter und beim größten Industriebetrieb circa 40.000 Meter pro Tag. Wir haben auch keine Lagerware. Jeder einzelne Kunde bzw. jede einzelne Kundin kann sich bei uns die Farbe, Struktur und Maße der Dielen individuell aussuchen. Alle unsere Böden sind geölt, nicht lackiert, damit sie so naturbelassen wie möglich sind. Jeder Boden ist ein Einzelstück. Wir versuchen außerdem, so ressourcenschonend wie möglich zu arbeiten und verwerten immer den gesamten Baum. Unsere Kund/innen sind sehr umweltbewusst und immer wieder werden wir gefragt, wie viele Baumstämme nun denn für den Boden verarbeitet worden seien.

Ihre Kund/innen stammen immer noch zu 70 Prozent aus Südtirol. 30 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften Sie aber auch im Ausland. Wie kommen Sie an diese Kund/innen heran?
Wir präsentieren uns jedes Jahr auf der Messe Heim+Handwerk in München. Dort knüpfen wir Kontakte mit Privatkunden, vorwiegend aus Bayern, aber auch aus der Schweiz . Mehr als die Hälfte kommt anschließend auf Südtirol-Urlaub und stattet uns gleichzeitig einen Besuch in unserem Werk in St. Leonhard ab. Wir führen sie dann durch den Betrieb und unseren Showroom, anschließend machen wir eine Bestellung auf Maß. Das Südtiroler Handwerk genießt einen sehr guten Ruf in Deutschland. Wir müssen unseren Kund/innen auch immer versprechen, dass wir Südtiroler Monteure für die Verlegung der Böden schicken (lacht).

landhausdielen betrieb

Wie viele Mitarbeiter hat ihr Betrieb und wie sind die Aufgaben verteilt?
Wir sind aktuell zu viert im Betrieb und beschäftigen noch drei Monteure auf Abruf. Ich war früher Vorarbeiter, heute kümmere mich um die Kundenakquise, die Abwicklung des Verkaufs und die Organisation – eigentlich sitze ich nur noch im Büro (lacht) oder bin unterwegs bei den Kund/innen. Meine Geschäftspartner sind für die Produktion verantwortlich. Ich würde grundsätzlich auch gerne Lehrlinge im Betrieb ausbilden, aber mit der aktuellen Rechtslage in Italien im Bereich der Arbeitssicherheit , steht man als Unternehmer immer schon mit einem Fuß im Gefängnis. Das Risiko und der Aufwand, die mit der Einhaltung der Bestimmungen verknüpft sind, lähmt einen kleinen Betrieb wie unseren.   

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wirtschaft im Passeiertal?
Eine verbesserte Erreichbarkeit. Die Meraner Nordwest-Umfahrung durch den Küchelbergtunnel ist eine der obersten Prioritäten. Momentan kann ich am späten Vormittag keine Termine einplanen, weil es mich zu viel Zeit kostet, mich durch den Stadtverkehr zu quälen. Dasselbe gilt auch für meine Monteure. Für die Betriebe im Passeiertal würde die Verwirklichung dieses Projektes eine riesige Erleichterung bedeuten.

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