Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Hotel Baur

Im Glanz der Drei Zinnen

Maria Antonia Franchi-Baur und ihr Sohn Thomas Franchi-Baur führen das Familienunternehmen Hotelverwaltung Baur KG & C. in Toblach, das heuer von der Handelskammer Bozen als ältestes Unternehmen Südtirols ausgezeichnet wurde.

Wenn man in das enge Höhlensteinstahl einfährt, durch das sich die historische Ampezzanerstraße von Toblach Richtung Venetien schlängelt, öffnet sich nach einigen Kilometern eine imposante Aussicht auf die Nordwände der Drei Zinnen. Im Süden erheben sich die mächtige Berggruppe des Monte Cristallo, die sich im nahe gelegenen Dürrensee spiegelt und der wuchtige Monte Piano, heftig umkämpfter Schauplatz im Dolomitenkrieg.

Heute erinnert die vom ersten Weltkrieg verschont gebliebene kleine Kapelle und viele Mauerreste an den imposanten Hotel-und Villenkomplex der in Landro Ende des 19. Jahrhunderts mit insgesamt 400 Betten Anziehungspunkt für unzählige Sommerfrischler im Hochpustertal war. Zu den ständigen Gästen des Hoteldorfs in Landro zählte zu den Glanzzeiten des Fremdenverkehrs kein geringerer als der König von Belgien, für den sogar eine eigene Villa errichtet wurde. Der Urlaubsort verfügte darüber hinaus über die erste elektrische Beleuchtung, ein eigenes Postamt, ein Photolabor und 28 Pferde, mit denen ein ständiger Linienverkehr nach Cortina betrieben wurde. Als 1916 der Krieg im Dolomitengebiet tobte, wurden die stattlichen Bauten gesprengt und das Gebiet zur Militärzone erklärt, was unter anderem Grund für das Scheitern des Wiederaufbaus nach dem Krieg war.

Hotel Baur

Es waren der k.k. Postmeister und Mitbegründer des Alpenvereins Josef Baur Senior und sein Sohn Josef Baur, Mitbegründer des E-Werks und der Raiffeisenkasse Toblach, die um die Jahrhundertwende mit Weitblick und Entschlossenheit das Hoteldorf in Landro führten. Josef Baurs Enkelin Maria Antonia Franchi-Baur übernahm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Alleinerbin das brachliegende Erbe ihrer Vorfahren und nahm sich vor, diesem einen neuen Glanz zu verleihen. Heute führt sie in der neunten Generation gemeinsam mit ihrem Sohn Thomas das Hotel Drei Zinnenblick in Landro und das Hotel Baur am Toblacher See.

Der Löwe von Landro

Die Mutter der 1931 geborenen Maria Antonia optierte während des Zweiten Weltkriegs für Deutschland, während die Großmutter Antonia Baur Becker in Südtirol blieb um den Familienbesitz zu retten. Zuerst war Maria Antonia im Internat bei den englischen Fräuleins in München und im Krieg wurde sie in Wasserburg am Inn bei einem Bauernhof evakuiert.

Dort habe Sie hart arbeiten gelernt, sagt sie und ohne diese Zeit hätte sie es später nicht geschafft solche Mühen auf sich zu nehmen. Nach dem Studium an der Universität in München, hatte Maria Antonia sich vorgenommen eine journalistische Laufbahn einzuschlagen und absolvierte ein Praktikum bei der Zeitschrift “Bunte”. Doch am Ende bestimmte eine noch stärkere Bindung das Schicksal von Maria Antonia, nämlich jene zu ihrer Heimat.

So kam es, dass Maria Antonia 1957 München verließ, um in das Hotelgewerbe einzusteigen. Mehrere Jahrzehnte führte Sie erfolgreich das Seehotel in Toblach und eröffnete 1985 das Hotel Drei Zinnenblick in Landro, an genau jener Stelle wo einst die Villa des Königs der Belgier stand.

„Als ich bereits wieder in Südtirol lebte, fuhr ich einmal entlang der Landstraße des Höhlensteintals. Als sich in Landro der Blick auf die Drei Zinnen im Mondlicht vor meinen Augen auftat, spürte ich wieder die besondere Kraft dieses Ortes“, erinnert sich Maria Antonia Franchi-Baur: „In diesem Moment habe ich mich in Landro verliebt.” Die Visionen Ihres Urgroßvaters führte fort und der Wille zur Aufopferung für die Tradition ihrer Vorfahren war stark , so träumte sie auch von einer Seilbahn, die die Touristen von Landro aus direkt auf das Hochplateau unter den Drei Zinnen befördern sollte. Wehmütig blickt sie auf dieses und mehrere gescheiterte Projekte zurück, zu viele Steine wären ihr in den Weg gelegt worden, meint sie.  

Maria Antonia hatte auch im See Hotel für Innovation gekämpft. Ebenso wie für die Bewerbung des Wintertourismus im Hochpustertal. So machte sie sich einmal höchstpersönlich mit selbstgebastelten Prospekten nach Holland auf, um dort in den Tourismusbüros um ausländische Gäste für das Pustertal zu werben. Außerdem eröffnete Maria Antonia einen der ersten Skilifte in Toblach, direkt vor ihrem Hotel.

Ihr Sohn Thomas Franchi-Baur führt heute eine lange Familientradition fort. Im See Hotel am Toblacher See, das sich jetzt Hotel Baur nennt, arbeitet er vor allem mit Stammgästen. Er ist stolz auf sein Hotel, ein Vermächtnis aus vergangenen Zeiten, auf die denkmalgeschützte Struktur, die auch seine Gäste zu schätzen wissen. Diese verweilen gerne auf der historischen Veranda mit Seeblick mit originalem Mobiliar des Gründerzeitalters. Darunter auch die berühmten Wiener Thonet Kaffeehaus-Stühle, die Thomas Franchi-Baur regelmäßig neu bespannen lässt. „Das kostet mich jedes Mal mehr, als einen neuen Stuhl zu kaufen“, sagt er: „Aber unsere Gäste schätzen das.“

Maria Antonia Franchi-Baur schaut mit ihren 86 Jahren ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nach wie vor ganz genau auf die Finger. Nichts entgeht ihrem strengen Auge. Sie ist durch und durch eine Hotelierin und eine Kämpferin. Nicht umsonst wird sie im Freundeskreis der „Der Löwe von Landro“ genannt. “Das alles habe ich auch geschafft, weil mir viele Freunde die Kraft dazu gegeben haben. Wenn ich heute zurück blicke, ich würde nichts anders machen”, sagt sie.

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