Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Das sollten Betriebe wissen

Interview mit dem g.f. Sanitätsdirektor

Viele Unternehmer/innen sind verunsichert, was bei einem Coronafall im eigenen Unternehmen zu machen ist. Wir haben mit dem geschäftsführenden Sanitätsdirektor Pierpaolo Bertoli darüber gesprochen.

Herr Dr. Bertoli, welche Handlungsempfehlungen können Sie jedem Unternehmen geben, um seine Mitarbeiter/innen, Kund/innen und Lieferanten bestmöglich vor einer Covid-19-Infektion zu schützen?
Die wichtigsten Maßnahmen sind im Allgemeinen die Händedesinfektion, die Einhaltung der Distanz zwischen den Personen und die eventuelle Mitteilung, dass Anzeichen von Covid-19 aufgetreten sind – in einem Unternehmen wären das Fieber oder ähnliche Symptome bei Mitarbeiter/innen oder Personen, die sich im Betrieb befinden. Sollte dies der Fall sein, dann muss die Meldung an den Hausarzt erfolgen, damit die korrekte Behandlung und die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden können.

Ihrer Erfahrung nach, an welchen Orten im Unternehmen bzw. in welchen Abteilungen kann sich das Virus am besten verbreiten und ist demnach eine erhöhte Aufmerksamkeit angebracht?
Das Risiko einer Ansteckung steigt dort, wo sich viele Menschen zeitgleich am selben Ort befinden. Allgemein spricht man von einem erhöhten Ansteckungsrisiko, sollte für die Dauer von mehr als 15 Minuten der Abstand zwischen den Personen weniger als einen Meter betragen. Geschlossene Räume und Räume mit unzureichender Belüftung sowie eine bestimmte Zug- und Umluft sorgen für zusätzliche Gefahr.

Sollte es dennoch zu einem Corona-Fall im Betrieb kommen, welche Sofortmaßnahmen sollte das betroffene Unternehmen ergreifen?
Wird ein positiver Fall gemeldet, dann handelt das Departement für Gesundheitsvorsorge des Sanitätsbetriebs sofort: Epidemiologische Untersuchungen an den als eng eingestuften Kontakten der betroffenen Person werden vorgenommen, welche sich in Isolation, das heißt in Quarantäne begeben. Einen zweiten Aspekt bilden die Maßnahmen in den Räumlichkeiten, in denen sich die positiv getestete Person aufgehalten hat. Diese müssen sanifiziert und desinfiziert werden, wobei auch hier die Anordnungen des Departements für Gesundheitsvorsorge zu befolgen sind.

Reicht es, bei einem positiven Fall die betroffene Abteilung zu schließen und die Mitarbeiter/innen in Quarantäne zu schicken oder muss das gesamte Unternehmen geschlossen werden?
Das ist schwierig zu sagen, da es von den konkreten Gegebenheiten abhängt. Es kann gut möglich sein, dass die betrieblichen Räumlichkeiten eine Desinfizierung erlauben, ohne die gesamte Struktur schließen zu müssen. Auch hier entscheidet das Departement für Gesundheitsvorsorge, welches sich vor Ort einen genauen Eindruck verschafft. Generell können sich die folgenden Szenarien abspielen: Der Normalfall ist die Desinfizierung der Betriebsräume ohne Schließung der gesamten Struktur. Eine weitere Möglichkeit sieht eine technische Schließung für die Dauer der Desinfizierung vor; darüber hinaus kann die Notwendigkeit bestehen, die Schließung für eine bestimmte Zeit vorzusehen, sollte es sich um eine öffentliche Struktur mit viel Publikumsverkehr handeln. Für letztere müssen Vorkehrungen getroffen werden, um das Risiko zu minimieren.

Zu welcher Art von Schutzmaske bzw. Schutzausrüstung raten Sie den Mitarbeiter/innen im Betrieb, um sowohl sich selbst als auch die anderen in ihrem Umfeld angemessen zu schützen?
Es gibt bestimmte Arbeitnehmer/innen, für welche ein hohes Risiko besteht und diese sind mit Schutzausrüstung bzw. Schutzmaske höheren Niveaus auszustatten, also FFP2, KN95 oder ähnliche. Sollte für bestimmte Bereiche eine chirurgische Maske nicht genügen, so sprechen wir von besonderen Bereichen, für welche Sicherheitsprotokolle vorhanden sind. Normalerweise sollte die chirurgische Maske aber für die Mitarbeiter/innen und den Personen in deren Umgebung ausreichend sein.

Info

Dr. Pierpaolo Bertoli, Jahrgang 1961 ist geschäftsführender Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs. Nach seinem Studium der Medizin und Chirurgie in Mailand, hat der Meraner weitere Spezialisierungskurse absolviert und zwar in Sportmedizin, Orthopädie und Traumatologie sowie in Hygiene und Präventivmedizin. Es folgten Fortbildungen zu Managementthemen im Gesundheitsbereich und ein Executive-Master. Vor zwei Jahren wurde Dr. Bertoli Sanitätskoordinator in Meran und seit September 2019 ist er geschäftsführender Sanitätsdirektor im Südtiroler Sanitätsbetrieb.

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