Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Moessmer

Moessmer Niedermair

„China ist die Zukunft“

Vor 20 Jahren stand die Tuchfabrik Moessmer kurz vor dem Aus. Heute beliefert der einstige K&K-Hoflieferant die begehrtesten Modelabels der Welt. Geschäftsführer Walter Niedermair über die gelungene Neuausrichtung und warum Mode aus China besser ist als ihr Ruf.

Walter Niedermair ist kein Mann, der zurück blickt. Er mag den Blick nach vorne. Visionen für die Zukunft zu kreieren, das treibt ihn an. 1999 hat ihn der heutige Mehrheitseigner und Verwaltungsratspräsident Paul Oberrauch als Geschäftsführer in die Pusterer Tuchfabrik Moessmer geholt. Gemeinsam haben sie das 1894 gegründete Unternehmen neu ausgerichtet. Mutig, radikal, erfolgreich, wie er im Interview erklärt.

Mitte der 90er Jahre steckte Moessmer noch in einer tiefen Krise. Heute setzen Labels wie Prada, Gucci, Chanel oder Louis Vuitton auf Ihre Stoffe. Wie ist Ihnen dieses Kunststück geglückt?
Walter Niedermair: Mitte der 90er-Jahre schlitterte die klassische Konfektionsindustrie in die Krise. Die Nachfrage nach Tweed und Loden ging radikal zurück, Baumwolle und synthetische Produkte drängten auf den Markt. Es ging nur noch darum, so günstig wie möglich zu produzieren. Was zählte, war der Preis. Auf dieses Spiel konnten wir uns nicht einlassen, mit einem Produktionsstandort wie Kambodscha konnten wir nicht mithalten. Also haben wir nach neuen Märkten und neuen Abnehmern gesucht, die bereit waren in qualitativ hochwertige Stoffe zu investieren.

Damit einher ging aber auch eine radikale Sanierung.
Ja, sicher, es war eine Operation am offenen Herzen. Wir passten unsere Kollektionen an die  Bedürfnisse unserer Kunden an, setzten auf exklusive Anfertigungen. Wir haben deutlich weniger produziert, dafür umso hochwertiger. Außerdem haben wir den Schwerpunkt von Herren- auf Damenstoffe verlagert. Damit diese Neuausrichtung Früchte tragen konnte, mussten wir uns erstmal gesund schrumpfen, die Zahl der Mitarbeiter von ehemals 160 auf heute 68 reduzieren. Rund zehn Jahre hat es gedauert, bis wir den Turnaround geschafft haben.

Vor der Krise haben Sie 70 Prozent Ihres Umsatzes in Italien generiert, und heute?
Heute gehen die 70 Prozent in den Export. Allein 20 Prozent gehen nach Südkorea, Japan und vor allem nach China. Mittlerweile bin ich einen Monat im Jahr in China. Dort entstehen laufend neue Mode-Brands. Es handelt sich um chinesische Marken, die nicht günstig für den Westen sondern hochpreisige Mode für den chinesischen Markt produzieren.

Moessmer Model

Warum setzen Chinesen auf Stoffe aus dem Pustertal?
Diese Kunden suchen nicht nach dem Einfachen. Sie wollen das Besondere, das Einzigartige, vor allem aber schätzen sie Authentizität. Das alles können wir bieten, weil wir  - von der Wolle bis zum fertigen Stoff -  den gesamten Produktionszyklus im eigenen Haus haben. Zusätzlich ist  „Made in Italy“ in China Gold wert. Chinesen lieben italienisches Design und mittlerweile auch Wein, gutes Essen und natürlich den Fußball.

Wie würden Sie den chinesischen Kunden beschreiben?
Es geht vor allem um Vertrauen. Im Schnitt dauert es drei Jahre, bis man einen Kunden akquiriert. Erstmal gewonnen, erweist sich der Chinese als sehr konstanter Kunde. Deshalb frage ich mich, warum nicht mehr Südtiroler diesen interessanten Markt bearbeiten. Einziger Nachteil ist natürlich die Erreichbarkeit. Ohne Flughafen fehlt die Anbindung an die Welt, der Zugang zum Meer, sprich zum Markt.  

Sie haben außerdem neue Marktsegmente erschlossen. So finden sich Loden und Walk nun auch im Interiorbereich. Ein rentables Geschäft?
Vor allem ein Geschäft, das unglaublich viel Spaß macht. Aus unseren Stoffen werden mittlerweile nicht nur Vorhänge, Sofas und Decken für Luxushotels gefertigt, sondern es werden damit auch Sitze in Zügen und in Seilbahnkabinen bezogen. Drei Jahre haben wir daran gearbeitet, um den Wollstoff brandschutzsicher zu machen. Auf die Züge der Vinschger- und Pusterer-Bahn sollen nun die Züge der Deutschen Bahn folgen.

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