Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Dr. Schär

dr schaer Stampfl

„Wir müssen agieren“

Neue Berufsbilder und völlig andere Fachkompetenzen bestimmen die Arbeit der Zukunft. Wie Dr. Schär, der Markführer von glutenfreien Nahrungsmitteln, sich darauf vorbereitet –ein Gespräch mit Vorstandsmitglied Richard Stampfl.

37 Jahre sind vergangen seit der gelernte Drogist Ulrich Ladurner erstmals glutenfreie Produkte auf den Markt brachte. Heute beschäftigt Dr. Schär an 15 Standorten in neun Ländern rund 1.210 Mitarbeiter/innen und ist Markführer von glutenfreien Nahrungsmitteln wie Brot, Pizza, Nudel oder Keksen. Von Beginn an seiner Seite: der Meraner Richard Stampfl. Wir treffen den Vorstand im neuen Headquarter von Dr. Schär in Burgstall. Offen und ehrlich spricht er über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der digitalen Transformation.

Industrie 4.0 - Chance oder Segen?
Richard Stampfl: Es ist die einzige Chance, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wobei dieser Prozess doch längst im Gange ist. Früher hatten unsere Mitarbeiter/innen die Produkte händisch verpackt und das Produktionsprotokoll manuell dokumentiert und abgelegt. Heute läuft das automatisch. Und statt drei Personen wird für diesen Prozess nur noch ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin benötigt. Generell waren die Mitarbeiter/innen der Produktion vor zehn Jahren noch in der Überzahl. Heute machen sie an unseren beiden Südtiroler Standorten nur noch 45 Prozent aus.

Haben Sie in der Produktion Stellen abgebaut?
Nein, wir haben keine Mitarbeiter/innen entlassen, wir haben uns nur intern neu aufgestellt. Die Mitarbeiter/innen wurden umgeschult und umverteilt. So konnten wir unsere Effizienz in den vergangenen drei Jahren um rund 15 Prozent steigern.

dr schaer betrieb

Arbeiten Sie auch mit Robotern?
Ja natürlich. „Erich“ unser Roboter im Verpackungslager arbeitet 24 Stunden sieben Tage in der Woche. Er palettisiert automatisch die produzierten Kartone. Früher waren damit sieben Mitarbeiter/innen über die verschiedenen Linien beschäftigt. Durch die Automatisierungen wird aber auch die Arbeit der Mitarbeiter/innen erleichtert.

Finden Sie die Entwicklung gut?
Es geht nicht um gut oder weniger gut. Die Entwicklung ist unaufhaltsam, es werden in Zukunft neue Berufsbilder entstehen und der Umgang mit digitalen Anwendungen wird immer wichtiger. Darauf müssen wir unsere Mitarbeiter/innen bestmöglich vorbereiten. Gerade die Altersklasse 45 Plus darf hier nicht den Anschluss verlieren.

Wie stehen Sie persönlich zur digitalen Entwicklung?
Gewisse Überlegungen flößen mir Angst ein. Wie sicher sind unsere Daten? Was passiert mit unserem Wissen bei einem Stromausfall? Wir speichern Wissen ja nicht mehr nur in unserem Gehirn, sondern es wird für uns in der Cloud abgespeichert, wo wir es jederzeit abrufen können. Das führt einerseits zur Verblödung, andererseits sind wir der digitalen Wolke völlig ausgeliefert. Kritisch sehe ich zudem, dass wir ständig und überall erreichbar sein müssen. Wir verlernen das Abschalten.

Haben Sie Ihr Smartphone etwa nicht immer dabei?
Bei einer schönen Bergtour lasse ich mein Handy auch mal ganz bewusst zu Hause. Mittlerweile schaffe ich es sogar, dass ich im Urlaub nur noch einmal am Tag einen Blick in meine Mails werfe. Das tut gut.

Wird Dr. Schär in Zukunft noch stärker automatisieren?
Digitale Systeme und in Zukunft auch die künstliche Intelligenz werden weltweit immer mehr Arbeitskräfte ersetzen. Wir werden hier keine Ausnahme bilden. Unternehmen tragen aber auch eine soziale Verantwortung und wir brauchen dafür dringend Lösungen. Denn irgendwann stehen Menschen nicht nur ohne Einkommen da, sondern – und das ist genauso schlimm – sie fühlen sich nicht mehr wertgeschätzt. Die Industrie 4.0 wird also massive Auswirkungen auf unser soziales Umfeld haben.

Was also tun?
Neben der Industrie 4.0 muss die soziale Markwirtschaft 2.0 forciert werden. Wir werden über ein Grundeinkommen diskutieren müssen. Zusätzlich braucht es neue Arbeitszeitmodelle und Alternativen zur Arbeit. Etwa in Form von freiwilliger Sozialleistung. Wir können von einem großen Glück sprechen, dass Südtirol über ein so hervorragendes Vereinswesen verfügt. Gerade Pensionist/innen gibt die Mithilfe in Vereinen das wunderbare Gefühl, gebraucht zu werden.

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