Handelskammer Bozen
Wirtschaft = Zukunft

Diego Bentivogli

Bentivogli portrait

Auf den Zahn gefühlt

Seit über 30 Jahren betreibt Diego Bentivogli ein kleines Zahntechnikerlabor am Bozner Obstmarkt. Als er 1985 mit seiner Tätigkeit begann, war diese noch durch und durch akribische Handarbeit, heute sind zwei Drittel der Arbeitsschritte digitalisiert. Die wichtigste Komponente ist und bleibt aber immer noch der Mensch.

Jeder von uns kennt das unangenehme Gefühl sich unter Würgreiz und Atemnot beim Zahnarzt einen Gebissabdruck abnehmen zu lassen. Dank modernster Technik gehört dieser Prozess bald der Vergangenheit an, denn in Zukunft werden intraorale Scanner, die nur etwas größer als eine Füllfeder und mit mehreren Hochpräzisionskameras bespickt sind, einen digitalen dreidimensionalen Gebissabdruck binnen kürzester Zeit anfertigen, der beliebig reproduzierbar ist. Besonders bei Kleinkindern, Menschen mit Einschränkungen und bei Unfallopfern erleichtert diese neue Technik die Abnahme des Abdrucks und erhöht die Präzision der Daten, die vom Mund des Patienten in das Labor des Zahntechnikers gelangen.

Digitale Revolution

Die digitale Revolution hat nicht nur beim Zahnarzt sondern auch im Labor des Zahntechnikers Einzug gehalten, so auch bei Diego Bentivogli und seinem Sohn Matteo Bentivogli in Bozen. „Unser Sektor erlebte nach 2009, wie auch viele andere Wirtschaftssektoren eine tiefgehende Krise. Hinzu kam der zunehmende Zahntourismus in Länder wie Ungarn, Kroatien und letzthin nach Rumänien. Wir mussten dann schnell umdenken. Die digitale Revolution hat sich bereits abgezeichnet und wir haben in neue Maschinen und Software investiert, um den Anschluss nicht zu verpassen. Mittlerweile macht die digitale Fertigung von Zahnersatz in Metall oder Zirkon mit CAD/CAM gestützten Systemen zwei Drittel unserer Tätigkeit aus. Darum kümmert sich hauptsächlich mein Sohn“, erklärt Diego Bentivogli und schmunzelt: „Matteo gehört der neuen Generation der Zahntechniker an. Ich hingegen arbeite noch vorwiegend mit den Händen und kümmere mich um den ästhetischen und funktionalen Teil, also das Auftragen und Modellieren der Keramik, das noch immer ausschließlich manuell erfolgt sowie den Kontakt und die Beziehungen zu den Zahnmedizinern und Zahntechnikern, mit denen wir zusammenarbeiten.“

Maschine UND Mensch

Trotz der digitalen Revolution wird deutlich: Auch in Zukunft wird der Mensch nicht von der Technologie verdrängt. Zahnersatz wird zwar nicht mehr von Hand mit Wachs modelliert und in Metall verarbeitet, aber dafür vom Zahntechniker am Bildschirm digital modelliert und anschließend passgenau gefräst – und das will gelernt sein. „Es ist unverzichtbar, dass auch die schulischen Einrichtungen mit der Digitalisierung Schritt halten und laufend in die neuesten Technologien und die Fortbildung der Lehrkräfte investieren, um unser Berufsbild zu stärken und die Schüler/innen bestmöglich vorzubereiten“, so Diego Bentivogli: „Außerdem ist es wichtig, einen universitären Bildungsweg für Zahntechniker innerhalb des Gesundheitswesens vorzusehen. Das Berufsbild des Zahntechnikers beruht noch immer auf einem königlichen Dekret aus dem Jahr 1928, dessen Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten, gemäß der vom Studientitel vorgesehen Kompetenzen, längst überfällig ist. Wir setzten uns seit Jahren auch beim Gesundheitsministerium in Rom für den Schutz und die Aufwertung unseres Berufsbildes ein sowie für mehr Transparenz für die Patient/innen. Denn diese sind es, die am Ende den Preis für schlecht angefertigten Zahnersatz aus dem Ausland bezahlen.“

Bentivogli Matteo

Natürliche Evolution

Matteo Bentivogli, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, beherrscht sein Fach genau. Er scannt dreidimensional, modelliert am PC, fräst mikrometergenau und steuert seine Maschinen auch nachts per App vom eigenen Smartphone bequem von zuhause aus. „Ich sehe die Entwicklung in unserem Sektor als eine natürliche Evolution. Es ist wichtig am Ball zu bleiben und mit der Digitalisierung mitzugehen, auch und insbesondere als kleiner Betrieb. Wir waren das erste Labor in Bozen, das 2013 mit einer CNC Fräße gestartet ist, eine Investition, ohne die wir wahrscheinlich gegenüber den großen Labors nicht konkurrenzfähig geblieben wären. Das ist auch mein Ziel für die Zukunft, immer wieder neu zu investieren. Ich bin gespannt, welche Potentiale noch in neuen Technologien, wie etwa dem 3D-Druck, stecken.“

Diego Bentivogli, 59, ist Präsident der Vereinigung ANTLO (Associazione Nazionale Titolari di Laboratorio Odontotecnico) in der Region Trentino-Südtirol und unterrichtet an der Berufsschule für Zahntechniker am Oberschulzentrum “Galileo Galilei” in Bozen. Sein Sohn Matteo Bentivogli, 29, ist 2014 in den Familienbetrieb am Bozner Obstmarkt eingestiegen, in dem bis vor kurzem auch noch sein Großvater Antonio Bentivogli mitarbeitete.

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